Zielstrebig dehnt Peking seinen Einfluss im Südchinesischen Meer aus: Vor dem zu den Spratly-Inseln gehörenden Whitsun-Riff hatten sich zuletzt rund 200 chinesische Schiffe versammelt – harmlose Schiffe von Fischern nach chinesischer Darstellung, Speerspitzen einer wachsenden Seemiliz, wie die Regierung der Philippinen fürchtet und wie internationale Fachleute bestätigen. Bei der Indienststellung von mindestens sieben der Schiffe waren hochrangige Militärs zugegen, berichtet der US-Marineexperte Andrew Erickson. Und die Bewegungen der sieben Schiffe deuteten nicht auf die üblichen Routen von Fischtrawlern hin, sondern auf paramilitärische Patrouillenfahrten.

Das Südchinesische Meer ist etwa anderthalbmal so groß wie das Mittelmeer. Alle Anrainerstaaten erheben Ansprüche auf Teile des fisch- und rohstoffreichen Seegebiets, fast alle unterhalten Stützpunkte. China aber beansprucht das gesamte Meer für sich allein und hat Inseln der Paracel- und der Spratly-Gruppe zu Marine-, Luftwaffen- und Raketenbasen ausgebaut. Das verschärft zunehmend Pekings Konflikt mit den USA und deren Verbündeten in der Region.

Provokativer Akt der Militarisierung

Selbst die Philippinen, die unter Präsident Rodrigo Duterte Pekings Nähe suchten, sehen im dominanten China nun wieder einen Gegner. Vergangene Woche hatte Verteidigungsminister Delfin Lorenzana die Versammlung der chinesischen Armada am Whitsun-Riff als einen »provokativen Akt der Militarisierung« bezeichnet und Patrouillenflüge der philippinischen Luftwaffe angeordnet.

Am Mittwoch telefonierte US-Sicherheitsberater Jake Sullivan mit seinem philippinischen Amtskollegen, und die beiden Seiten sagten sich eine »enge Abstimmung« zu. Washington und Manila unterhalten ein Verteidigungsbündnis.

Am Freitag traf sich der philippinische Außenminister Teodoro Locsin mit seinem chinesischen Kollegen Wang Yi. Ihr Gespräch scheint ergebnislos verlaufen zu sein, denn bereits am Samstag bekräftigte die chinesische Botschaft in…