Eier, Brot, Sonnenblumenöl und Käse: Lebensmittel werden in der Türkei immer teurer, viele Menschen sind arbeitslos, das Land kämpft mit der dritten Coronawelle, und die Inflation steigt weiter an. Im März habe die Inflationsrate bei 16,19 Prozent gelegen, teilte das türkische Statistikamt am Montag mit. Im Februar waren die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 15,61 Prozent gestiegen. In Deutschland liegt die Inflationsrate im Vergleich bei rund einem Prozent.

Erdoğan steht innenpolitisch unter Druck, weil der Unmut im Volk wächst. Deshalb dringt der Präsident immer wieder auf niedrige Zinsen und bezeichnet den Leitzins oft als »Mutter allen Übels«. Er ist Anhänger einer sehr lockeren Geldpolitik. Günstige Kredite befeuern das Wirtschaftswachstum – und solche ökonomischen Erfolge seine Beliebtheit in der Bevölkerung, so sieht er es. Eine lockere Geldpolitik mit niedrigen Zentralbankzinsen befeuert in der Tendenz aber auch die Inflationsrate.

Der ehemalige Notenbankchef Naci Ağbal hatte versucht, mit starken Zinserhöhungen die Lage im Land in den Griff zu bekommen. Vor rund zwei Wochen erhöhte er den Leitzins überraschend deutlich um 2,0 Prozentpunkte auf 19 Prozent. Höhere Zinsen stärken die Landeswährung, was Importe verbilligt und damit den Preisauftrieb dämpft. Kurz darauf, wurde Ağbal von Präsident Recep Tayyip Erdoğan entlassen. Die Lira stürzte ab.

Wohl selten zuvor hatte eine einzelne Personalie solch ein Beben an den Finanzmärkten eines Landes ausgelöst. Kaum hatten die Börsen nach Verkündung der Personalie den Handel wieder aufgenommen, verlor die türkische Währung zeitweise 15 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar. Auch die Börse in Istanbul brach ein.

Ağbal reiht sich ein in eine Reihe anderer Zentralbankchefs, die in den vergangenen Jahren ihren Posten räumen mussten. Ağbal Vorgänger Murat Uysal konnte sich nur etwas mehr als ein Jahr im Amt halten und wurde Anfang November abgelöst. Kurz darauf trat selbst Erdoğans…