Es sind keine guten Nachrichten, die das »Satellitenbild der Woche« diesmal bereithält. Die Aufnahme führt uns an diesem Ostermontag in den Westen der Antarktis, an den Pine-Island-Gletscher. Hier liegt eines der größten Gletschersysteme des Westantarktischen Eisschilds. Es ist mit einer Fläche von rund 162.000 Quadratkilometern mehr als doppelt so groß wie Bayern und macht zehn Prozent des Eises der Westantarktis aus.

Der Pine-Island-Gletscher transportiert seine kalte Fracht über 250 Kilometer lang in einem gigantischen Schelf in die Amundsensee. Regelmäßig kommt es zu großen Abbrüchen. Das wäre soweit kein ungewöhnlicher Vorgang, denn dass Gletscher kalben ist ein natürlicher Vorgang. Schließlich gewinnen sie etwa durch Schneefall auch wieder an Masse.

Was Forscher aber in den vergangenen Jahren beunruhigte, war die Tatsache, wie schnell der Gletscher sein Eis ins Meer verliert. Die Massebilanz rückte immer stärker ins Negative, die Kante des Schelfeises, das auf dem Meer schwimmt, die sogenannte Grounding Line, ist in den letzten Jahren stark zurückgewandert. Und auch die Fließgeschwindigkeit hat sich erhöht. Kein Gletscher auf der Welt verfrachtet derzeit mehr Eis ins Meer als Pine-Island.

Die Befürchtung bei solchen Beobachtungen war ein Szenario, bei dem der Gletscher einen Punkt überschreitet, ab dem er nicht mehr zu retten ist. Dann setzt sich, wie bei einem Kartenhaus, bei dem man so viele Karten entnommen hat, dass das gesamte Haus zusammenbricht, ein Mechanismus in Gang, bei dem der ganze Gletscher verschwindet.

Für den Pine-Island-Gletscher könnte es tatsächlich schon zu spät sein, glauben Forscher der britischen Northumbria-Universität. In einer Studie, die im Fachmagazin »The Cryosphere« erschienen ist, haben sie modelliert, welche sogenannten Kipppunkte dort eine Rolle spielen.

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Im Februar 2020 brach ein 300 Quadratkilometer großer Eisberg vom Pine Island Gletscher ab. Das Bild des…