Der inhaftierte russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny klagt über eine weitere Verschlechterung seines Gesundheitszustands. Man habe ihm 38,1 Grad Fieber sowie »starken Husten« attestiert – seinen vor einigen Tagen begonnen Hungerstreik werde er trotzdem fortsetzen, heißt es auf Nawalnys Instagram-Account. Bereits drei seiner Mitgefangenen im Straflager seien wegen Tuberkulose in ein Krankenhaus gebracht worden.

Nawalny ist in der Strafkolonie IK-2 in der Kleinstadt Pokrow 100 Kilometer östlich von Moskau eingesperrt, er darf bisher nur Besuch von seinen beiden Anwälten empfangen. Der Instagram-Account wird während der Haft von Mitarbeitern und Vertrauten verwaltet.

Schon seit Längerem berichtet der Oppositionspolitiker über starke Rückenschmerzen und Lähmungserscheinungen in einem Bein. Am vergangenen Mittwoch erklärte Nawalny, aus Protest gegen mangelnde medizinische Versorgung in einen Hungerstreik getreten zu sein.

Nawalny war von der Gefängnisbehörde als »fluchtgefährdet« eingestuft worden, weshalb in der Strafkolonie ständig seine Anwesenheit überprüft wird. Dies hatte er bereits nach seiner Ankunft in der Strafkolonie auf Instagram beschrieben: »Nachts wache ich jede Stunde davon auf, dass neben meinem Bett ein Mann in Jacke steht. Er filmt mich mit der Kamera und sagt: ›2.30 Uhr, Verurteilter Nawalny. Kontrolle gemäß Register der Fluchtgefährdeten. Ist am Ort‹«.

Systematischer psychologischer Druck

Das Straflager IK-2 ist berüchtigt für den systematischen psychologischen Druck, der auf die Insassen ausgeübt wird. Auch der ehemalige Insasse Konstantin Kotow, der ein Jahr in Pokrow verbrachte, erzählt über Rügen für kleinste Verstöße. Einmal hatte er den obersten Hemdknopf nicht geschlossen. Einmal hatte ihm ein Mithäftling Handschuhe geliehen, weil es auf dem Appellplatz kalt war und man ihm seine eigenen verweigert hatte. Rügen machen eine vorzeitige Entlassung unmöglich.

Nawalny war im Februar in einem viel kritisierten…