Es gab eine Zeit, da wurde der Name Jens Spahn nicht mit Missmanagement in der Coronakrise, nicht mit einer verpatzten Impfkampagne, nicht mit fehlenden Schnelltests in Verbindung gebracht.

In Vor-Corona-Zeiten inszenierte sich Spahn als ein Minister, der Tempo macht. Auch durch die Niederlage im Kampf um den CDU-Vorsitz im Dezember 2018 ließ er sich nicht beirren, vermittelte stattdessen das Bild eines auf die Sachpolitik fokussierten Ministers.

Meistens ging es dabei um ein Thema, das zu den wichtigsten sozialpolitischen Fragen der nächsten Jahre gehört: die Reform der Pflege.

Für eine »konzertierte Aktion« schloss sich Spahn mit Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Arbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) zusammen.

Plötzlich weniger Zeit fürs Thema

Doch mit dem Beginn der Coronapandemie in Deutschland begann nicht nur Spahns guter Ruf als Macher zu bröckeln: Es wurde auch deutlich, wie schlecht die Lage vieler Pflegekräfte in deutschen Altenheimen und Krankenhäusern immer noch ist.

Und wie abhängig die Menschen in Deutschland von ihnen sind.

Gleichzeitig hatte der Bundesgesundheitsminister nun weniger Zeit, sich um das Thema zu kümmern: Er hatte genug mit der Pandemiebekämpfung zu tun.

Wenn das Thema Pflege während des Pandemiejahres eine Rolle spielte, dann ging es entweder um Ansteckungen in Pflegeheimen oder um überlastetes Pflegepersonal, das beklatscht wurde. Im Kern ging beides auf das alte Problem zurück, das auch Spahn noch nicht hat lösen können: den massiven Personalmangel.

Im Hintergrund pausierten die Tarifverhandlungen zwischen einem Arbeitgeberverband und der Gewerkschaft Ver.di zunächst für eine Weile: Gemeinsam wollten beide Seiten höhere Löhne für die Beschäftigten in der Altenpflege aushandeln. Eine Vorgabe, die dann für alle Unternehmen verbindlich gemacht werden könnte.

Die Anwerbung von Fachkräften – eines der Mittel, mit denen Spahn die Personalnot in Kliniken und Heimen beheben wollte – geriet ins…