Globale Gesellschaft

In Reportagen, Analysen, Fotos, Videos und Podcasts berichten wir weltweit über soziale Ungerechtigkeiten, gesellschaftliche Entwicklungen und vielversprechende Ansätze für globale Probleme.

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»Wer eine Weltkarte zeichnet, stellt die Welt nicht dar, wie sie ist. Der Zeichner, die Zeichnerin erschafft eine Welt.«

Das Zitat stammt von Jerry Brotton, einem Historiker aus Großbritannien. Er hat vor einigen Jahren ein sehr erfolgreiches Buch geschrieben mit dem Titel: »Eine Geschichte der Welt in 12 Karten«. Darin zeigt er, dass, obwohl sich Menschen schon immer auf Karten verlassen haben und verlassen mussten – beim Navigieren, in Kriegen, auf Handelsrouten, bei der Google-Maps-Suche nach der nächsten U-Bahn –, keine Karte die pure Wirklichkeit abbildet.

Das eine Problem: Wie lässt sich eine Erdkugel zweidimensional abbilden? Viele schlaue Leute haben sich darüber den Kopf zerbrochen. Kein Entwurf hat es bisher ohne eine Verzerrung hinbekommen.

Dazu kommt aber auch die Perspektive des Kartografen, der Kartografin: Sie blicken von einem bestimmten Standpunkt, einem Auftrag auf die Welt. Jede Karte lässt etwas weg, überbetont etwas anderes. Zum Beispiel, dass Europa im Zentrum der Erde liegt, über Afrika thronend, größenmäßig verzerrt. Europa, der Mittelpunkt der Welt, das ist, was wir sehen, wenn wir auf eine Weltkarte blicken.

Aber hatten Sie schon mal eine Weltkarte in der Hand, die in chinesischen Buchläden verkauft wird? Da passt Europa, ganz oben links am Rand, gerade noch so drauf auf die Karte. In der Mitte der Karte liegt, Sie ahnen es: China.

Die Grafiken, die in diesem Text zu sehen sind, sind keine Karten, sondern Kartogramme. Sie wählen eine andere Perspektive. Länder werden nicht nach ihrer Größe abgebildet, sondern nach bestimmten Parametern – der Zahl von Covid-19-Impfungen, von Flüchtenden, des CO₂-Ausstoßes, der Bevölkerungszahl, nach HIV-Infizierten. Es handelt sich…