Die Partei des amtierenden Premiers Boris Borissow hat nach ersten Hochrechnungen die Parlamentswahl in Bulgarien gewonnen. Die »Bürger für eine europäische Entwicklung Bulgariens« (GERB) erhielten am Sonntag etwa 25 Prozent der Stimmen, teilten die Institute Gallup und Alpha Research mit. Deutlich besser als erwartet schnitt demnach die neue populistische Protestpartei des Sängers und Fernsehmoderators Slawi Trifonow ab.

Umfragen vor der Wahl hatten darauf hingedeutet, dass sieben Parteien in das 240 Sitze zählende Parlament einziehen. Es wird eine schwierige Regierungsbildung erwartet. Das könnte es Bulgarien erschweren, seinen Anteil an dem 750 Milliarden Euro umfassenden Corona-Wiederaufbaufonds der Europäischen Union wirksam zu nutzen, um die unter der Pandemie leidende Wirtschaft in Schwung zu bringen.

Im vergangenen Sommer protestierten Hunderttausende Menschen monatelang gegen den Premier und seine Regierung. Aus dieser Protestbewegung entstanden einige neue Anti-Establishment-Parteien, etwa das Wahlbündnis »Demokratisches Bulgarien«, mitgegründet vom ehemaligen Justizminister Hristo Iwanow, der mit einem Facebook-Video über Korruption die Massenproteste ausgelöst hatte.

Zahlreichen Parteifreunde von Borissow sowie anderen Regierungsmitglieder wird die Veruntreuung von EU-Geldern vorgeworfen. Vom Premier selbst gelangten im Juni vergangenen Jahres Aufnahmen an die Öffentlichkeit, die ihn mit Pistole, Goldbarren und Euroschein-Bündeln auf dem Nachttisch seines Schlafzimmers zeigen – aufgeklärt ist die Affäre bisher nicht.