SPIEGEL: Herr Vaisi, Sie wollen in den Bundestag, bewerben sich spontan bei den Linken in Nordrhein-Westfalen auf einen aussichtsreichen Listenplatz, auch eine Wahlkreiskandidatur soll folgen. Warum machen Sie das?

Vaisi: Ich bin seit Jahren politisch aktiv. Über eine Bundestagskandidatur hatte ich schon länger nachgedacht. Schlussendlich überzeugt hat mich der Rückzug des Flüchtlings und Grünen-Politikers Tareq Alaows, der hier in NRW für den Bundestag kandidierte und nun wegen Rassismuserfahrungen doch nicht mehr ins Parlament einziehen will. Da dachte ich mir: Das kann einfach nicht sein! Da macht einer das, was die Mehrheit der Deutschen von uns Flüchtlingen erwartet: Er engagiert sich für die Gesellschaft, bringt sich hier ein. Und dann passiert so etwas. Meine Genossen haben mich bestärkt, diesen Schritt zu gehen.

SPIEGEL: Tareq Alaows äußert sich bislang nicht auf Nachfragen, es gibt allein die Pressemitteilung seines Grünen-Ortsverbands Dinslaken, in der er mit den Vorwürfen zitiert wird. Kennen Sie ihn, haben Sie mit ihm gesprochen?

Vaisi: Nein, bisher hatte ich keinen Kontakt zu ihm.

SPIEGEL: Fürchten Sie persönlich rassistische Angriffe im Wahlkampf?

Vaisi: Ich habe in Iran schon von klein auf Politik gemacht. In einem Land, in dem man wegen seines politischen Engagements nicht belohnt, sondern verfolgt und bestraft wird. Insofern: Ich bin nicht von Angst beherrscht. Meine Partei steht hinter mir. Zudem war ich als Profisportler in der Zweiten Ringer-Bundesliga, weiß mich im Notfall also zu wehren. Aber damit das nicht falsch verstanden wird: Ich kann die Entscheidung von Tareq Alaows absolut verstehen. Wenn ich nun auch nicht kandidieren würde, wäre das ein Gefallen für die Rechtsaußen. Für mich gilt: jetzt erst recht.

SPIEGEL: Wie gehen Sie selbst mit Rassismus um?

Vaisi: Ich lebe seit mehr als neun Jahren in Deutschland und habe oft Rassismus erlebt. Dennoch versuche ich immer, das Glas als halb voll und nicht als halb leer zu sehen. Ich will…