Zahlreiche Menschen in Myanmar haben am Freitag mit einem »Blumenstreik« der Hunderten Opfer der Militärgewalt gedacht. Aktivisten hatten dazu aufgerufen, Blumen an den Bushaltestellen niederzulegen, an denen von Sicherheitskräften Getötete ihre letzten Fahrten angetreten hatten. »Wir werden morgen Blumen an Bushaltestellen niederlegen. Ich will euch das nur sagen, bevor wieder das Internet ausfällt«, postete Khin Sadar, ein Protestführer, auf Facebook.

Auf zahlreichen Fotos in sozialen Netzwerken waren danach Kerzen, bunte Sträuße oder einzelne Rosen zu sehen, begleitet von Gedenksprüchen an die »gefallenen Helden«, wie die getöteten Demonstrantinnen und Demonstranten genannt werden. »Myanmar blutet« war auf einem riesigen Schild lesen, das auf einer Brücke in der größten Stadt Yangon stand.

Nach neuen Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPPP wurden seit dem Putsch vor zwei Monaten mindestens 543 Menschen getötet. Laut der Hilfsorganisation Save the Children sind mehr als 40 Kinder unter den Opfern. Das Militär bekämpft seit Wochen jeden Widerstand mit Gewalt.

Auch Kinder unter den Opfern

Auch mit technischen Mitteln wird der Protest unterdrückt: Bereits seit Wochen ist der Internetzugang gestört. Landesweit werden jede Nacht die Verbindungen weitgehend gesperrt. Wie Telekommunikationsfirmen mitteilten, gab es zuletzt auch tagsüber Beschränkungen. Der Webzugang ist derzeit höchstens über Festnetzdienste möglich, den drahtlosen Breitbandzugang ließ das Militär kappen.

Aktivisten brachten deswegen Apps in Umlauf, mit denen sich Menschen auch offline weiter über Entwicklungen informieren konnten. Anti-Coup-Gruppen teilen sich untereinander Radiofrequenzen, Offline-Internet-Ressourcen und Anbieter von SMS-Nachrichten mit, um die neuen Internetbeschränkungen zu umgehen.

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