Globale Gesellschaft

In Reportagen, Analysen, Fotos, Videos und Podcasts berichten wir weltweit über soziale Ungerechtigkeiten, gesellschaftliche Entwicklungen und vielversprechende Ansätze für globale Probleme.

Alle Artikel

Ein Mann mit verschränkten Armen, Kriegsname »Nider«, sitzt auf einem Plastikstuhl in den Bergen Kolumbiens und überlegt, ob er komplett auf ökologische Landwirtschaft umstellen soll. »Die Europäer wollen ja jetzt alles öko«, sagt er und zeigt auf den gegenüberliegenden Hügel, wo sich die Avocadofelder befinden. Derzeit lasse er einige Früchte im Rahmen eines Pilotprojektes mit selbst hergestelltem Forellenkot düngen. »Wenn es gut läuft, gehen wir hundert Prozent auf Bio.«

»Nider«, der mit bürgerlichem Namen Jhan Carlos Moreno heißt, war die meiste Zeit seines Lebens Guerillakämpfer im kolumbianischen Dschungel. Nun ist er Direktor einer landwirtschaftlichen Kommune, bestehend aus 437 Ex-Kämpfern. Hinter ihm liegen ein Kräutergarten und ein Gemüsefeld, ein paar Hühner scharren im Boden. Ein großer Schäferhund schleicht um seine Beine.

Bild vergrößern

Farmdirektor Jhan Carlos Moreno

Foto: Nadège Mazars / DER SPIEGEL

Ein paar Baracken stehen mitten in der Landschaft, die Wände mit Vögeln bemalt und mit Kämpfern in Tarnanzügen. Das Camp ehemaliger Guerillas der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) ist ein unwirklicher Ort, an den man gelangt, wenn man einer Serpentinenstraße durch die Berge des Cauca folgt, über Schotterpisten, durch Bambuswälder und Dörfer mit Lehmhäusern, bis hinauf auf eine Anhöhe, wo der Weg endet.

Als die Farc 2016 Frieden mit der Regierung schlossen, gründeten mehrere hundert ehemalige Rebellinnen und Rebellen hier eine Kommune und nannten sie »Nuevo Mundo«, neue Welt.

Doch fünf Jahre nach dem Vertrag von Havanna ist der Frieden in Kolumbien an vielen Orten kaum mehr als eine schöne Idee aus der Vergangenheit. In den Camps…