Schwerwiegender Vorwurf gegen die Kreisverwaltung im Landkreis Vorpommern-Greifswald: Der dortige Kreisverband der Grünen beschuldigt die Verwaltung, die Corona-Neuinfektionen systematisch zu spät zu melden, um damit Schulen und Kitas öffnen sowie im Einzelhandel Maßnahmen lockern zu können. Das berichtete die »Ostsee-Zeitung« am Donnerstag. Die Kreistagsfraktion der Grünen fordert eine Untersuchung und Strafen für die Verantwortlichen. Mecklenburg-Vorpommers Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) will den Vorwürfen nachgehen.

Die »Ostsee-Zeitung« schreibt mit Bezug auf den Kreisvorsitzenden der Grünen, Hannes Damm, dass die Sieben-Tage-Inzidenz in dem Landkreis nicht – wie am 25. März angegeben – bei 118, sondern schon bei über 200 liegen soll. Das hätten Analysen von Wissenschaftlern ergeben. Demnach würde der Landkreis als Hochrisikogebiet gelten, was Schulschließungen nach sich ziehen würde.

Ein Team aus Wissenschaftlern, zu dem auch der Physiker Damm gehört, stelle bereits seit Mitte Februar immer größere Abweichungen zwischen der tatsächlichen Inzidenz und der Zahl der gemeldeten Fälle fest. Mittlerweile betrage diese 170 Prozent.

Laut der Zeitung wies der Landkreis die Vorwürfe zurück, man habe die Abweichungen aber auch bemerkt.

Im Fokus der angekündigten Untersuchungen steht auch der CDU-Chef in Mecklenburg-Vorpommern, Michael Sack. Sack ist Landrat in Vorpommern-Greifswald und gerät durch die Vorwürfe unter Druck.