Hunderte Menschen tanzen, singen, feiern bei einem Konzert. Ohne Maske. Ganz legal und ohne Sorge vor Corona.

Das ist die Realität in Tel Aviv. Ein Großteil der Bevölkerung ist dort bereits geimpft. Sobald man den »Grünen Pass« der israelischen Gesundheitsbehörde vorweisen kann, darf man ein Leben genießen, das fast so frei ist, wie vor der Pandemie. Besitzt man den Pass allerdings nicht, bleiben fast alle Türen öffentlicher Annehmlichkeiten verschlossen, wie SPIEGEL-Reporterin Alexandra Rojkov feststellen musste, als sie nach ihrer Quarantäne endlich in Tel Aviv auf die Straße durfte. »Es gibt hier tatsächlich Privilegien für Geimpfte«, erzählt Alexandra, »aber Israel hat die erst eingeführt, als Impfstoff für alle zugänglich war; die Debatten, die wir in Deutschland hatten, gab es hier nicht.«

Nach wie vor herrscht in Israel vor Maskenpflicht, auch wenn sie niemand mehr ernst nimmt. Und während Benjamin Netanyahu die Impferfolge als Wahlkampf-Boost nutzt, mahnt sein Gesundheitsminister Juli Edelstein im Interview mit Alexandra Rojkov zu andauernder Vorsicht und Disziplin.

Host Olaf Heuser spricht mit Alexandra Rojkov über die Gründe für Israels Impferfolg und warum dieser egoistisch ist, über die möglichen Gefahren einer vierten Welle für ein durchgeimpftes Land und darüber, wie schnell medizinische Sicherheit in alltägliche Sorglosigkeit umschlagen kann. »Alle benehmen sich, als wäre Corona zu Ende«, sagt sie, »und sie vergessen dabei, dass es nicht überall zu Ende ist.«