1. Die US-Bürger leiden unter maroden Bahnstrecken und Straßen, aber politisch ist Joe Bidens Programm zur Erneuerung der Infrastruktur wohl nicht durchzusetzen

Welcher Politiker sagte den Satz »Die größte Pflicht eines Staatsmannes ist es, die Menschen zu erziehen«? Nein, es war nicht der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der sich heute mit dem AstraZeneca-Impfstoff piksen ließ und für den Karsamstag-Abend eine Rede zur aktuellen Situation in der Coronapandemie angekündigt hat. Der Satz stammt von dem US-Präsidenten Franklin Delano Roosevelt. Er lebte von 1882 bis 1945 und hat seinem Land mit dem »New Deal« in den Dreißigerjahren ein Wirtschaftsprogramm beschert, das der Nation aus finsteren Zeiten half, Millionen Menschen Jobs verschaffte und bis heute als vorbildlich gilt.

Nun hat Joe Biden, der aktuelle Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, einen Plan zur Aufmöbelung seines Landes vorgestellt, der von Wirtschaftsleuten bereits mit dem »New Deal« der Dreißigerjahre verglichen wird. Für insgesamt 2,3 Billionen Dollar will er in den nächsten Jahren die Infrastruktur der USA erneuern. Mein Kollege Marc Pitzke nennt es in seiner Geschichte über Bidens Plan »das massivste Investitionsprogramm seit dem Zweiten Weltkrieg«. Unter anderem will der Präsident Amerikas marode Straßen, Schienen, Brücken, Airports und Häfen sanieren lassen und dafür sorgen, dass der öffentliche Nahverkehr ausgebaut und die Versorgung mit Strom, Trinkwasser und Internet verbessert wird.

Ich habe Marc gefragt, wie gut seiner Meinung nach die Chancen stehen, dass Biden sein stolz angekündigtes Vorhaben auch verwirklichen kann. »Es wäre wirklich toll, wenn Amerikas kaputte Infrastruktur endlich ins 21. Jahrhundert gebracht würde«, sagt er. »Auf dem Papier ist Bidens Plan genau das, was die USA gerade brauchen.« Seine Vision sei sogar noch umfassender und konsequenter als Roosevelts »New Deal«. Doch mein Kollege fürchtet: »Politisch ist das nicht…