Wenn der Schulfreund leider Orthopäde ist

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird heute auf einer Pressekonferenz darüber reden, was er sich von den Impfungen in den Hausarztpraxen verspricht. Sie laufen in diesen Tagen an.

Ringsum spüre ich ein gewisses Impffieber. Manche haben sich Termine gesichert, indem ihnen einfiel, welche fürchterlichen Vorerkrankungen in ihren Körpern schlummern. Andere erinnern sich an Schulfreunde, die Internisten geworden sind.

Das Wort »Liste« hat jetzt Konjunktur. Man will auf die Impfliste eines Arztes kommen. Ich will das auch, kann aber nur ein harmloses und sehr selten ausbrechendes Asthma vorweisen. Mein Schulfreund hat sich leider für die Orthopädie entschieden, weshalb er noch nicht impfen darf.

Die bisherige Priorisierung nach Risikogruppen wird in den kommenden Wochen jedenfalls ausgehöhlt werden, da bin ich mir sicher. Wenn dies verhindert, dass Impfstoff liegen bleibt, finde ich das in Ordnung.

Gruselwort Ausgangssperre

Für die Region Hannover gilt heute von 22 Uhr an eine Ausgangssperre bis morgen um 5 Uhr. Diese Regel ist auf zwölf Tage befristet. Die Bürgerinnen und Bürger von Peine oder Celle kennen diesen Zustand schon, die Hamburger werden ihn bald kennenlernen, und noch viele andere.

Das Wort Ausgangssperre verbinde ich mit Militärjeeps, die nachts durch die Straßen rollen, mit bewaffneten Patrouillen, die nach Passierscheinen fragen, mit den ersten Tagen nach einem Putsch oder der Eroberung einer Stadt, mit Diktatur. Ein Gruselwort.

Bundeskanzlerin Merkel hat aus diesem Grund lange versucht, das Wort und den Zustand Ausgangssperre zu vermeiden. Sie setzte auf Kontaktbeschränkungen und anderen Maßnahmen, um die Krise einzudämmen. Aber nun hat sie diesen Widerstand aufgegeben, sprach sich schon selbst für Ausgangssperren aus. Die Pandemie hat sie dahin getrieben, so wie die Pandemie viele Menschen dahin getrieben hat, Ausgangssperren zu akzeptieren.

Auch ich könnte damit leben. Das liegt daran, dass ich diesem Staat…