Der Unterschied zwischen einem Haus, das sicher ist und einem Haus, das Gefahr bedeutet, besteht darin, dass man in einem sicheren Haus nicht geschlagen wird.

So hat es eine der Frauen beschrieben, mit der der Fotograf Giacomo d’Orlando in Nepal gesprochen hat. Er traf sie in einer speziellen Unterkunft für Frauen, die Opfer von Gewalt geworden waren. Frauen, die von ihren Ehemännern und Familien geschlagen oder missbraucht worden sind, in ihren eigenen vier Wänden. In unsicheren Häusern.

In Kathmandu, der nepalesischen Hauptstadt, gibt es zwei Einrichtungen, die in solchen Fällen Schutz bieten, das »Safe House« und das von der Regierung finanzierte »Mangala Sahana«. Frauen und Mädchen können dort wohnen, sie erhalten psychologische und medizinische Betreuung und Therapien; sie können dort Schulbildung nachholen, die ihnen in der Kindheit oft verwehrt worden ist, lesen und schreiben lernen. Wenn es den Frauen besser geht, können sie eine Ausbildung beginnen, etwa zur Schneiderin, um sich ein eigenes Einkommen und unabhängiges Leben zu finanzieren.

Ab dem Jahr 2015 lebte Fotograf d’Orlando immer wieder längere Zeit in Nepal, besuchte die Frauen. Er sagt, viele hätten lange gebraucht, bis sie sich ihm öffneten und ihre Geschichten mit ihm teilten. Viele Frauen hätten Männer bis dahin nur als Unterdrücker und Täter wahrgenommen. »Warum sollten sie sich also ausgerechnet mir, einem Mann anvertrauen?«, sagt d’Orlando.

»In den Frauenhäusern finden die Frauen ihre Stimme wieder«

Der Fotograf traf zum Beispiel Samiska. Sie kann ihre Hand nicht mehr öffnen, seit ihr Gewalt angetan wurde. Jedes Mal, wenn sie früher geschlagen wurde, hatte sie ihre Hand ganz fest zusammengeballt. So hielt sie, über Jahre, still die Schmerzen aus. Irgendwann blieb der Krampf in ihrer Hand. Bis heute, obwohl sie inzwischen in Sicherheit ist.

Die Geschichte von Sudha hat den Fotografen besonders bewegt. Er lernte sie kennen, als sie vor ein paar Jahren neu ins »Safe House« kam….