Drei Tage lang hat das Gericht im Prozess gegen den Polizisten Derek Chauvin Augenzeugen befragt, die vor Ort waren, als dieser dem Afroamerikaner George Floyd minutenlang sein Knie in den Nacken drückte. Nun hat Floyds frühere Freundin Courteney Ross vor Gericht ausgesagt. Es war erneut ein emotionaler Auftritt.

Ross schilderte laut der Nachrichtenagentur Reuters teils unter Tränen, wie sie Floyd im August 2017 in einer Obdachlosenunterkunft der Heilsarmee kennengelernt habe. Floyd hatte dort als Sicherheitsmann gearbeitet. »Floyd hatte dieses tolle, tiefe, raue, südliche Stimme«, sagte Ross. Er habe gemerkt, dass Ross sich damals einsam fühlte und ihr angeboten, gemeinsam zu beten. »Ich selbst hatte zu der Zeit den Glauben an Gott verloren«, sagte Ross.

Chronische Schmerzen und wiederkehrende Abhängigkeit

Noch am Tag ihres Treffens hätten sie sich im Raum der Heilsarmee das erste Mal geküsst, nach einer kurzen Unterbrechung nach einem Streit seien sie danach bis zu Floyds Tod im Mai 2020 zusammen gewesen, sagte Ross.

Zusammen schweißte das Paar wohl auch ihre Abhängigkeit von Schmerzmitteln. Nach Ross‘ Angaben hätten Floyd und sie verschriebene Schmerzmittel, aber auch illegal erworbene Opioide eingenommen. »Es ist eine klassische Geschichte darüber, wie Menschen von Opioiden abhängig werden«, sagte Ross. »Wir litten beide an chronischen Schmerzen: ich im Nacken und er im Rücken«. Zeitweise hätten sie die Sucht in den Griff bekommen, dann seien sie wieder rückfällig geworden.

Vor Ross hatten bereits mehrere Augenzeugen dem Gericht geschildert, wie der tödliche Polizeieinsatz gegen Floyd im Mai vergangenen Jahres ablief. Die Polizei hatte Floyd gestellt, nachdem dieser angeblich mit einer gefälschten Dollarnote in einem Kiosk in Minneapolis bezahlt haben soll. Der Einsatz eskalierte jedoch. Floyd starb, nachdem ihm der Polizist Chauvin fast neun Minuten sein Knie in den Nacken gedrückt und ihm damit die Luft zum Atmen genommen hatte.

Mit den…