Zehn Wochen lang hat Antoon Murphy einen zähen Kampf geführt und am Telefon versucht, doch noch Lösungen zu finden, um von Schottland seine Kunden in der EU zu beliefern, so wie früher.

Dann hatte er genug: Der Unternehmer hat in der Grafschaft Ayrshire seine Sachen gepackt und ist mit seiner Frau nach Frankreich gezogen. Dort baut er eine neue Firma auf, so hat Murphy es der britischen Zeitung »The Guardian« erzählt.

Das kam so: Murphys Firma »Antos Dog Chews« vertreibt seit Jahren erfolgreich Futter und Kauspielzeug für Hunde. 2005 hat er sein Unternehmen gegründet, seitdem ist die Mitarbeiterzahl bis auf 19 gewachsen und die Umsätze auf zuletzt acht Millionen Pfund, umgerechnet 9,4 Millionen Euro.

Neustart nahe Lyon

Dann kam der Brexit. Die Gespräche mit britischen Beamten in den vergangenen Wochen seien »absolut schrecklich« gewesen, sagt Murphy. Das Handelsabkommen, dass die EU und Großbritannien abgeschlossen haben, sei »fast so wie gar kein Abkommen«.

Das Problem des Geschäftsmanns: Seine Waren werden als Viehfutter eingestuft, deshalb braucht er nach dem Ausscheiden Großbritanniens ein Gesundheitszertifikat, Kostenpunkt: 200 Pfund, egal, ob es um eine Lieferung über 40.000 Pfund geht oder um 500 Pfund.

Nach Wochen des Telefonierens bekam er zwar ein entsprechendes Dokument. Viele Transportunternehmen weigerten sich allerdings, seine Waren mitzunehmen. Sie hatten Angst, dass eine einzige Palette Kausnacks auf einem Laster die ganze Lieferung lange aufhalten würde – weil diese als Nahrungsmittel besonders gründlich kontrolliert würden.

Die Lösung, die Unternehmer Murphy nun für seine Probleme entwickelt hat, ist bitter für den Wirtschaftsstandort Großbritannien. Laut »Guardian« hat er das Land verlassen und ist nach Frankreich gezogen. In einer Kleinstadt nahe Lyon baut er eine neue Firma auf. »Nova Dog Chews« hat gerade mit den ersten Auslieferungen begonnen. Die Kunden seien »froh, dass sie nicht mehr mit einer britischen Firma« und…