Anfang der Woche wechselte er auf einen Schlag sechs Minister aus, dann mussten die Kommandeure der drei Teilstreitkräfte ihre Posten räumen: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro wirbelt sein politisches und militärisches Spitzenpersonal derzeit kräftig durcheinander. Die Opposition vermutet hinter diesem Vorgehen die Vorbereitung eines Coups – und verlangt eine Amtsenthebungsverfahren gegen Bolsonaro.

»Wir können dieser Barbarei nicht tatenlos zuschauen«, zitiert der britische »Guardian« den oppositionellen Kongressabgeordneten Marcelo Freixo. Auch Alessandro Molon, Oppositionsführer im Unterhaus, wird deutlich: »Dies ist der Versuch des Präsidenten, einen Coup zu starten – und deswegen reagieren wir nun.« Die Forderung für das Impeachment wurde am Mittwoch (Ortszeit) offiziell im Kongress vorgelegt.

Seine politischen Gegner werfen Bolsonaro vor, mit der Absetzung der Kommandeure – und des Verteidigungsministers – seinen Einfluss über die Streitkräfte stärken zu wollen. Bolsonaro versucht seit Langem die Soldaten zu vereinnahmen, er redet immer öfter von »meinem Heer«. Das Militär ist seine wichtigste Stütze in der Regierung. Seit seinem Amtsantritt hat er Tausende Stellen im Regierungsapparat mit Soldaten besetzt.

Viele Tote durch Covid – der politische Druck wächst

Der bisherige Verteidigungsminister Fernando Azevedo e Silva und teils auch die Kommandeure der Teilstreitkräfte hatten sich jedoch gegen die Politisierung des Militärs gewehrt – nun sind sie ihre Jobs los. Das lässt die Opposition besonders hellhörig werden.

Denn Bolsonaro steht unter erheblichem Druck: Täglich sterben fast 3000 Brasilianer an oder mit Covid-19, selbst eingefleischte Bolsonaro-Anhänger zweifeln mittlerweile an der Negationspolitik ihres Idols. Das Comeback von Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat das politische Panorama aufgewirbelt und Bolsonaro einen Gegner von Format beschert.

Die Wirtschafts- und Finanzelite des Landes, die ihn lange…