Es sind Szenen wie aus einem Endzeitfilm – Bestatter in Brasiliens Metropole São Paulo arbeiten die Nächte durch, um Särge über Särge in die reihenweise ausgehobenen Gräber abzulassen. Verwandten und Freunden bleibt nur ein kurzer Moment des Abschieds, dann werden die nächsten Toten bestattet.

Allein am Mittwoch starben in Brasilien innerhalb von 24 Stunden 3780 Menschen an oder mit Covid-19, ein neuer Höchststand. Das Gesundheitssystem ist überlastet, in Krankenhäusern, wie hier vergangene Woche in Bauru, liegen Covid-Patienten auf den Fluren und warten auf freie Intensivbetten. 28 Menschen starben hier allein in den ersten Märzwochen.

Fred Nicacio, Arzt

»28 Menschen sind viele, wenn man bedenkt, dass die Hälfte dieser Patienten in den letzten zehn Tagen gestorben ist, und alle diese Patienten sind gestorben, während sie auf ein Intensivbett gewartet haben.«

Seit Anfang des Jahres ist die Coronapandemie in Brasilien nahezu vollständig außer Kontrolle geraten, das Impfprogramm läuft schleppend, und die Masse an Infektionen ist ein Nährboden für neue Mutationen. Nachdem im Januar bereits die besonders aggressive Variante P.1 in Brasilien entdeckt wurde, identifizierten Wissenschaftler am Mittwoch eine weitere Mutation nahe São Paulo. Wie gefährlich sie ist, wird noch untersucht.

Präsident Jair Bolsonaro drängt allerdings weiterhin darauf, die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zurückzunehmen.

Jair Bolsonaro, Präsident Brasilien

»Wir fordern, dass die Lockdown-Politik beendet wird, denn das liegt in den Händen der Gouverneure und Bürgermeister, denn nur so werden wir zur Normalität zurückkehren können.«

Der Druck auf Bolsonaro steigt nicht nur wegen der Coronatoten. Nachdem der Präsident Anfang der Woche sechs Minister sowie drei Topkommandeure des Militärs ausgewechselt hatte, warnt die Opposition vor einem geplanten Coup und fordert ein Amtsenthebungsverfahren gegen Bolsonaro.

Das Militär ist Bolsonaros wichtigste Stütze in der Regierung, Tausende…