von Niels Kruse

01.04.2021, 17:38 Uhr

Laut Markus Söder braucht es Mut, um sich mit Astrazeneca impfen zu lassen. Oder Vaxzevria, wie es heißt. Der Spruch des Ministerpräsidenten fasst gut zusammen, in welchen Schlamassel der Impfstoff geraten ist. Rückblick auf Pleiten, Pech und Pannen.

Vaxzevria – der Name klingt ein wenig wie Obelix‘ neue Hinkelstein-Lieferantin aus Lutetia. Oder wie eine Schlager-Gothic-Band. Unter diesem Kunstwort versteckt Astrazeneca ab sofort seinen in die Dauerschlagzeilen geratenen Corona-Impfstoff. „Die Umstellung auf einen dauerhaften Markennamen ist üblich und wurde seit vielen Monaten geplant“, schreibt das Unternehmen dazu. Gut möglich, dass das so ist, die Internetseite Vaxzevria.com jedenfalls existiert bereits. Dennoch wirkt die Namensänderung wie eine PR-Notbremse – ein mieseres Image als das des britisch-schwedischen Unternehmens ist derzeit kaum vorstellbar. 

Unfreiwillig wie ungeschickt degradierte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die sinnvolle Impfung mit dem Wirkstoff zu einer Art Mutprobe: „Irgendwann wird man bei Astrazeneca speziell mit sehr viel Freiheit operieren müssen und sagen müssen: Wer will und wer es sich traut quasi, der soll auch die Möglichkeit haben“, sagte er anlässlich des zweiten Anwendungsstopps innerhalb von nur zwei Wochen. Und als stünden dutzende Alternativen zur Verfügung, sägte er mit seiner flapsigen Bemerkung am ohnehin dürren Vertrauen der Deutschen ins Impfen. Gerade einmal 60 Prozent wollen sich mit Hilfe zweier Spritzen gegen das Virus schützen. Der Dauerärger um den Stoff aus Großbritannien ist da wenig hilfreich.

Keine Impfungen für über 65-Jährige oder unter 65-Jährige?

Die ganze Aufregung begann bereits mit seiner Zulassung im Januar. Weil der europäischen Zulassungsbehörde EMA nur unzureichende Daten über ältere Testpersonen vorlag, empfahl sie, das Serum nicht…