Eine von der britischen Regierung beauftragte Kommission hat dem Land ein hervorragendes Zeugnis für die Gleichstellung von ethnischen Minderheiten ausgestellt. Andere Länder mit einer weißen Mehrheitsbevölkerung in Europa und anderswo sollten sich daran ein Beispiel nehmen, hieß es in einer Mitteilung zu dem Bericht, der am Mittwoch vorgelegt wurde.

»Vereinfacht gesagt, sehen wir kein Großbritannien mehr, in dem das System absichtlich gegen ethnische Minderheiten gerichtet ist«, hieß es in der Einleitung. Der Vorwurf, Rassismus sei in Großbritannien noch immer institutionell verankert, halte einer Überprüfung der Fakten nicht stand, schreibt die verantwortliche »Race and Ethnic Disparities Commission«. Premierminister Boris Johnson nannte den Bericht »eine wichtige Arbeit«.

Kritik von Wissenschaftlern und Politikern

Die Opposition und Bürgerrechtler kritisierten die Studie dagegen scharf. Von einem »whitewash« – also einer Schönfärberei – sprachen etwa Labourchef Keir Starmer und Halima Begum, Leiterin des Runnymede Trusts, einem Thinktank für Gleichberechtigungsfragen.

Kehinde Andrews, Professor für Black Studies von der Universität Birmingham, bezeichnete den Bericht als »PR-Aktion« der Regierung, die der Beweislage widerspreche. »Das gibt den Leuten eine Rechtfertigung, zu sagen, wir müssen überhaupt nichts tun, wir müssen uns nicht kümmern«, sagte Andrews im Gespräch mit der britischen Nachrichtenagentur PA. Der schwarze Labourabgeordnete David Lammy nannte den Bericht »eine Beleidigung gegenüber jedem, der in diesem Land institutionellen Rassismus erfährt«.

Seit Meghans Interview wird in Großbritannien vermehrt über Rassismus diskutiert

Johnson hatte die Studie nach den Protesten gegen Rassismus der Black-Lives-Matter-Bewegung in Auftrag gegeben. Im vergangenen Sommer waren nach der Tötung des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in den USA auch in Großbritannien Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen….