1. Wissenschaftliche Modellrechner halten einen freien Sommer trotz Corona für möglich – wenn nicht zu schnell geöffnet wird

Kann man die »Lage am Abend« anders beschreiben, als es die süddeutschen Ministerpräsidenten Markus Söder und Winfried Kretschmann heute in einem Brief an ihre 14 Länder-Kolleginnen und -Kollegen taten? »Die Lage ist ernst, ernster, als viele glauben«, behaupten die beiden Politiker der CSU und der Grünen und mahnen striktere Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung an. Es geht um die konsequente Umsetzung der sogenannten Notbremse-Bestimmungen in Hotspots, auch mit nächtlichen Ausgangsbeschränkungen. In Hamburg etwa wurde heute wegen der steigenden Infektionszahlen eine ab Karfreitag geltende nächtliche Ausgangssperre verkündet, sie gilt zwischen 21 und 5 Uhr.

Eine erfreulich optimistische Darstellung unserer nahen Zukunft bietet immerhin eine Geschichte meiner Kollegin Julia Köppe. Trotz der dritten Infektionswelle und der wegen Zweifeln am AstraZeneca-Impfstoff durcheinandergeratenen Impfpläne machen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Hoffnung darauf, dass es keinen langfristigen Rückschlag beim Impftempo geben wird – und dass die fortschreitende Immunisierung schon ab Anfang des Sommers für erhebliche Erleichterungen im sozialen Alltag der Deutschen sorgen könnte.

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Hoffnung auf den Sommer: Laut Modellierungen könnten Impfungen die Coronakrise schon ab Juni deutlich entschärfen

Foto: Rolf Zöllner / imago images

Die von Julia angeführte Physikerin Viola Priesemann hat gemeinsam mit anderen Experten Modellrechnungen mit verschiedenen Testvorgaben angestellt, von Varianten mit sofortigen Lockerungen bis zu solchen mit strengem Lockdown, konsequenter Kontaktnachverfolgung und der Isolation von Verdachtsfällen. Das Ergebnis der vorab veröffentlichten Expertenstudie: Impfen wirke in der Coronakrise wie Rückenwind, so Priesemann. Die Zahl der Infektionen muss möglichst so lange niedrig gehalten…