Dass Kampfjets der Nato aufsteigen müssen, um unerwünschte Aktivitäten im Luftraum der Militärallianz zu untersuchen, kommt häufig vor: mehr als 400 Mal allein in 2020 nach Angaben des US-Senders CNN. In rund 90 Prozent der Fälle ging es dabei um Zwischenfälle mit Flugzeugen aus Russland. Was sich an diesem Montag abgespielt hat, überraschte dann aber sogar routinierte Analysten.

Zehnmal mussten Flugzeuge von verschiedenen Stützpunkten aus starten, weil russische Maschinen sich dem Luftraum von Mitgliedstaaten genähert hatten. Es handelte sich dabei um »sechs verschiedene Gruppen von russischen Flugzeugen in weniger als sechs Stunden«, teilte ein Nato-Sprecher mit. Dies bedeute einen »seltenen Spitzenwert«. Unter anderem handelte sich um diese Zwischenfälle:

Norwegische F-16-Kampfflugzeuge überwachten zwei russische Tu-95-Langstreckenbomber nahe der norwegischen Küste

Die russischen Maschinen flogen danach in südlicher Richtung über die Nordsee. Als Reaktion stiegen britische und belgische Flugzeuge auf

Ebenfalls die norwegische Luftwaffe wurde später wegen zwei Tu-160-Überschallbombern alarmiert

Nato-Flugzeuge überwachten den Flug von drei russischen Maschinen über dem Schwarzen Meer

Italienische Kampfflugzeuge fingen ein russisches Marine-Flugzeug über der Ostsee in der Nähe der Stadt Kaliningrad ab

Trotz dieser ungewöhnlichen Ballung von Vorfällen betonte die Nato, dass keins der zahlreichen russischen Flugzeuge in den Luftraum eines Mitgliedstaates eingedrungen sei. Aus Russland gibt es bisher noch keine Stellungnahme zu den Flugbewegungen vom Montag.

Erst in der vergangenen Woche hatte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg an Russland appelliert, den sogenannten Nato-Russland-Rat wiederzubeleben. Dieses Gremium, das zum gegenseitigen Austausch und der Annäherung dienen soll, hat seit 2019 nicht mehr getagt