Die Corona-Impfkampagne in Deutschland erhält eine neue Wende: Nach Meldungen über weitere Hirnvenenthrombosen vereinbarten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die 16 Bundesländer, dass die Impfung mit dem Präparat des Pharmakonzerns AstraZeneca nur noch für Menschen ab 60 Jahren uneingeschränkt eingesetzt werden soll. Für Personen unter 60 soll dies nur noch „nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung“ möglich sein.

„Vertrauen entsteht aus dem Wissen, dass jedem Verdacht, jedem Einzelfall nachgegangen wird“, sagte Merkel mit Blick auf mögliche Nebenwirkungen. Die Alternative sei gewesen, etwas unter den Teppich zu kehren. Die Kanzlerin räumte ein, der Beschluss zu AstraZeneca bringe „Verunsicherung“ mit sich. Zugleich warb sie um Vertrauen in die Corona-Impfungen. Wenn sie an der Reihe sei, lasse sie sich impfen, „auch mit AstraZeneca“, versicherte Merkel.

Chance für die Älteren

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn betonte, die Bürger könnten sich darauf verlassen, dass in Deutschland zugelassene Impfstoffe „akribisch überwacht“ würden. „Andererseits ist es ohne Frage ein Rückschlag, dass bei einem unserer verfügbaren Impfstoffe in dieser Pandemie für eine bestimmte Altersgruppe offenbar ein erhöhtes Risiko besteht.“ Dadurch entstünden neue Unsicherheiten.

Doch könnten nun Menschen über 60 schneller geimpft werden, erläuterte Spahn. „Insofern kann ich alle über 60-Jährigen tatsächlich ausdrücklich nur bitten, dieses Impfangebot auch wahrzunehmen.“ In Abwägung aller Risiken sei die Impfung gegen das Coronavirus „fast immer die bessere Entscheidung“.

Bisher wurden in Deutschland rund 2,7 Millionen Dosen des AstraZeneca-Vakzins verimpft

Die neue Altersbeschränkung für AstraZeneca hatte die Ständige Impfkommission (Stiko) empfohlen. Grundlage seien derzeit verfügbare Daten zum Auftreten „seltener, aber sehr schwerer thromboembolischer Nebenwirkungen“. Diese seien vier bis 16 Tage nach der Impfung…