Italienische Sicherheitskräfte haben einen russischen Militärangehörigen und einen italienischen Marinekapitän wegen Spionageverdachts festgesetzt. Das teilten die Carabinieri in Rom mit. Die beiden seien am Dienstagabend bei einem heimlichen Treffen gefasst worden, hieß es.

Nach Angaben der Polizei erfolgte der Zugriff, als die beiden Verdächtigen vertrauliche Dokumente gegen Geld tauschen wollten. Wie die Carabinieri weiter schrieben, wurde der rechtliche Status des Ausländers, der als Diplomat gilt, noch weiter geprüft. Der Kapitän sei festgenommen worden. Bei den Ermittlungen seien auch italienische Geheimdienste beteiligt gewesen.

Italienische Medien, darunter die Nachrichtenagentur Ansa, berichten, dass es sich bei den Dokumenten unter anderem um geheime Nato-Papiere gehandelt habe. Das gehe aus Dokumenten hervor, die man in der Wohnung des Festgenommenen gefunden habe. In Medien ist bereits vom schwerwiegendsten Spionageverdacht seit dem Ende des Kalten Krieges die Rede.

Italien weist zwei russische Beamte aus

Das Außenministerium in Rom bestellte den russischen Botschafter Sergej Razow wegen des Vorfalls ein. Außenminister Luigi Di Maio sagte, er habe wegen dieser ernsten Sache scharf protestiert. Man werde »sofort« zwei russische Beamte ausweisen. Ob auch der russische Militärangehörige darunter ist, ist unklar.

Medienberichten zufolge erklärte das Außenministerium in Moskau sein Bedauern. Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte einen russischen Abgeordneten mit den Worten, man werde den Schritt in gleicher Form erwidern.

Der Vorfall ist der jüngste in einer Serie von Spionagevorwürfen europäischer Staaten gegen Russland. Bulgarien hatte am 19. März entsprechende Anklagen gegen sechs eigene Staatsbürger bekannt gegeben. Im Dezember verwiesen die Niederlande zwei russische Diplomaten wegen mutmaßlicher Spionage des Landes.