Bevor Stephan Schäfer an die Spitze des Verlagshauses Gruner + Jahr (G+J) aufstieg, musste er noch einen starken Mann loswerden – einen Titanen: Dieter Bohlen. Dem Bertelsmann-Konzern, zu dem neben G+J auch der Fernsehsender RTL gehört, war Bohlen schon länger ein Dorn im Auge. Dennoch war die Vertragsverlängerung des »Deutschland-sucht-den-Superstar«-Chefjurors bisher immer eine reine Formsache. Bohlen war »DSDS«, da wollte niemand dran rütteln.

Das änderte sich vor rund drei Wochen: Schäfer war es, der Bohlen in den Räumlichkeiten des Hamburger Verlags mitteilte, dass man künftig auf ihn verzichten wolle. Schäfer habe das Gespräch geleitet und die Botschaft überbracht, heißt es aus seinem Umfeld, er wünschte sich mehr Familienfernsehen, weniger Demütigungen, wie sie bei »DSDS« an der Tagesordnung waren. Bohlen schied aus – und ist seitdem sauer auf seinen früheren Sender.

Schäfer, so viel ist klar, wird in Zukunft noch einige entscheidende Weichen bei Bertelsmann stellen. Schon seit Längerem ist der G+J-Vorstand auch für die Inhalte von RTL Deutschland verantwortlich. Er sitzt zudem im »Content Alliance Board« von Bertelsmann, das dafür sorgen soll, dass die Konzerntöchter inhaltlich zusammenrücken, vom »Stern« über n-tv bis zum Buchverlag Random House. Nun löst Schäfer Julia Jäkel an der Spitze von G+J ab. Wenig verwunderlich, dass viele Kenner des Hauses darin ein Vorzeichen für eine mögliche Fusion der beiden Häuser sehen.

Der Traum von einem Champion

In der Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh denkt man schon länger darüber nach, die vielen Marken unter einem Dach zu vereinen. Konzernchef Thomas Rabe glaubt an die Schaffung »crossmedialer, nationaler Champions«, um Digitalriesen wie Netflix und Amazon entgegenzutreten. Lange war das ein Wunschtraum – auch weil der Hamburger Verlag auf seine historisch gewachsene Unabhängigkeit pochte. Seit diesem Jahr ist das anders: Bertelsmann spricht – angeblich »ergebnisoffen« –…