Der Antrag für den Landesparteitag der Bremer Linken las sich wie ein Einmaleins gängiger Verschwörungsmythen. Die Sterberate beim Coronavirus liege in der »Größenordnung der Influenza«, heißt es da. Die verordneten Schutzmaßnahmen seien »unnötig«, die Bundesregierung handele ohne »wissenschaftliche Evidenz«. Auch die mRNA-Impfstoffe seien alles andere als sicher, angeblich seien schon »zahlreiche Todesfälle und schwerwiegende Nebenwirkungen dokumentiert«.

Nichts davon stimmt. Covid-19 ist nachweislich tödlicher als die Grippe, mRNA-Impfstoffe sind umfangreich geprüft und gelten als sicher.

Dennoch wollte eine Gruppe Lokalpolitiker der Bremer Linkspartei einen Richtungswechsel in der Coronapolitik. »Einen evidenzbasierten Neustart der Debatte wagen«, hieß der Antrag, der tatsächlich fernab jeglicher Evidenz lag. Das Ansinnen wurde zwar am Wochenende auf dem digitalen Landesparteitag mit großer Mehrheit abgelehnt – ganz aus der Welt ist der Konflikt in der Bremer Linken jedoch nicht.

Linke Schulterschlüsse mit Rechtsaußen

Seit Längerem waren mehrere Bremer Linken-Mitglieder in der Szene der Verschwörungsmythen unterwegs. Aber erst beim Parteitag trat der Konflikt offen zutage.

Eine Studie des Soziologen Oliver Nachtwey von der Universität Basel deutet darauf hin, dass unter »Querdenken«-Anhängern der Anteil von Wählern der Grünen sowie der Linkspartei ausgesprochen hoch ist – höher etwa als der Anteil der Personen, die der AfD zuneigen.

Nachtwey hatte mehr als tausend Fragebögen ausgewertet, die er an Mitglieder aus »Querdenker«-Telegram-Gruppen versandt hatte. »Bei der letzten Bundestagswahl haben nach unserer Befragung 21 Prozent die Grünen und 17 Prozent die Linke gewählt. Der AfD haben 14 Prozent ihre Stimme gegeben«, sagte Nachtwey. »Bei der nächsten Bundestagswahl wollen nun aber 30 Prozent der AfD ihre Stimme geben.«

Die Daten sind nicht repräsentativ, der Soziologe spricht von einer deskriptiven statistischen Auswertung….