Der Aktienkurs des britischen Essenslieferdienstes Deliveroo ist gleich nach dem Börsendebüt am Mittwoch um fast ein Drittel auf 271 Pence eingebrochen. Zuletzt lag er rund 22 Prozent im Minus bei 306 Pence. Aktien anderer Essenslieferdienste verloren im Zuge dessen ebenfalls an Wert.

Der katastrophale Börsenstart hatte sich im Vorfeld angedeutet. Der Ausgabepreis von 390 Pence je Deliveroo-Aktie lag bereits am unteren Ende der Bewertungsspanne. Einige Investoren hätten sich von der Idee verabschiedet, in ein Geschäft zu investieren, von dem sie nicht vollständig überzeugt seien, dass es in absehbarer Zeit Profit abwerfe, sagte Marktanalyst Michael Hewson vom Handelshaus CMC Markets UK.

Der verpatzte Börsenstart von Deliveroo ist auch ein Rückschlag für die Bemühungen Londons, nach dem Brexit zu einem attraktiven Ort für Börsengänge und Technologiekonzerne zu werden.

Medien hatten bereits am Vortag berichtet, dass viele Fonds und einige der größten Vermögensverwalter Großbritanniens keine Aktien des Onlinelieferdienstes kaufen wollten. Sie hätten Bedenken bezüglich der Behandlung der Kuriere durch das Unternehmen, an dem auch der Onlinehändler Amazon beteiligt ist. Es wird erwartet, dass Hunderte von Kurierfahrern sich weigern werden, Lieferungen am ersten Börsentag auszuführen.

Analystin Sophie Lund-Yates von Hargreaves Lansdown sieht in den Regulierungen rund um die Arbeitnehmerrechte gegenwärtig das größte Problem, denn das flexible Arbeitnehmermodell von Deliveroo sei eine wichtige Säule für den Erfolg des Unternehmens. Sie wies zudem darauf hin, dass selbst eine am niedrigen Ausgabepreis von 390 Pence gemessene Marktkapitalisierung von 7,6 Milliarden Pfund noch deutlich über jener des Kontrahenten von Just Eat Takeaway liege. Dies bedeute, dass Deliveroo unbedingt erfolgreich sein müsse. Andernfalls gerate der Aktienkurs unter starken Druck.