Sie finanzieren Staudämme in Patagonien und Brücken in Laos. Ihre Kredite werden in Dollar oder in Erdöl beglichen, und wenn ihre Gläubiger mal nicht zahlen können, sichern sie sich mitunter den Zugriff auf den wichtigsten Hafen des Landes. Chinas staatliche Entwicklungsbanken sind inzwischen die größten Gläubiger auf dem Globus. Allein den Entwicklungsländern haben sie mehr als 400 Milliarden Dollar geliehen. Die Darlehen gelten den einen als unverzichtbare Hilfe beim Aufbau der Infrastruktur. Den anderen als moderne Form der Zinsknechtschaft, die große Teile Asiens, Lateinamerikas und Afrikas unter die Kontrolle Pekings bringt.

Oft sind die Verträge selbst geheim

Über die Konditionen der chinesischen Kreditverträge aber war bislang wenig bekannt. Details gelangten höchstens dann in die Öffentlichkeit, wenn es Skandale gab. Nun aber hat ein Forscherteam aus US-amerikanischen Universitäten und Thinktanks sowie dem Kieler Institut für Weltwirtschaft erstmals rund 100 Kreditverträge im Volltext ausfindig machen können: in jahrelanger Detektivarbeit in den Archiven von Finanzministerien und Notenbanken oder den Anhängen von Parlamentsdokumenten.

Das Ergebnis ihrer Recherche, die Pekings Darlehensverträge erstmals systematisch aufarbeitet, gibt vielen Kritikern recht: Chinas Auslandskredite räumen den Schuldnern meist deutlich schlechtere Bedingungen ein als die Abkommen anderer großer Gläubigerländer. Sie beeinflussten »die Innen- und Außenpolitik« der Empfängerstaaten, heißt es in der Studie, und erschwerten »internationale Kreditvereinbarungen«.

Es geht schon damit los, dass Pekings Deals vielfach strikte Geheimhaltungsklauseln enthalten, wie sie in anderen Verträgen unüblich sind. Die Empfänger dürfen weder über die Konditionen noch über andere Bestimmungen der Verträge informieren, mitunter unterliegt sogar die Existenz des Vertrages selbst der Schweigepflicht. »Das macht es häufig schwer, das Ausmaß der Auslandsschulden richtig…