An diesem Mittwoch vor 57 Jahren übernahm das Militär die Macht in Brasilien. Was mit einem Staatsstreich begonnen hatte, um sich eines unliebsamen linken Präsidenten zu entledigen, entwickelte sich zu einer der längsten und dunkelsten Epochen der brasilianischen Geschichte. Erst Mitte der Achtzigerjahre kehrten die Soldaten in die Kasernen zurück.

In Offiziersklubs und Kasernen wird der 31. März seither als Tag der »Revolution« gefeiert. Der amtierende rechtsextreme Präsident Jair Bolsonaro würde das Datum am liebsten zum nationalen Feiertag erklären.

Es ist daher kein Zufall, dass der einstige Fallschirmspringerhauptmann ausgerechnet in diesen historisch aufgeladenen Märztagen versucht, die Soldaten erneut zum Aufstand gegen die Demokratie zu bewegen – diesmal jedoch nicht, um einen linken Präsidenten zu stürzen, sondern um ihn, einen erklärten Demokratieverächter, vor dem Niedergang zu bewahren. Doch er stößt auf unerwarteten Widerstand.

Die Generäle wurden laut und schlugen auf den Tisch

Auf einen Streich entließ Bolsonaro gestern die Kommandeure der drei Teilstreitkräfte – er kam damit ihrem Rücktritt zuvor. Der designierte Verteidigungsminister, General Walter Braga Netto, überbrachte den Offizieren die Nachricht.

Bei dem Treffen sei es zu lautstarken Auseinandersetzungen gekommen, Generäle hätten mit der Faust auf den Tisch geschlagen, berichtet die Zeitung »Estado de São Paulo«. Es war der vorläufige Höhepunkt eines Konflikts, der sich innerhalb weniger Stunden zur größten Krise der Streitkräfte seit Jahrzehnten ausgewachsen hat – und zu einer Bewährungsprobe für Brasiliens junge Demokratie.

Am Tag zuvor hatte Bolsonaro auf einen Schlag sechs Minister ausgewechselt, darunter Außenminister Ernesto Araújo, der Brasilien mit seinen neofaschistischen Verschwörungstheorien international isoliert hatte. Er war das Opfer, das Bolsonaro bringen musste, um seine Verbündeten im Kongress zufriedenzustellen. Araújo hatte mit…