„Schrecklicher Zustand“
Ärzte in Sorge um Nawalny: „Wir haben Angst, dass er das Schicksal von Magnitski teilt“

Alexej Nawalny bei einer Urteilsverkündung vor einem Gericht in Moskau. Mediziner fürchten um sein Leben. 

© Press Office Of Moscow's Babushk / Picture Alliance

von Ellen Ivits

30.03.2021, 16:39 Uhr

2009 starb der Anwalt Sergej Magnitski unter rätselhaften Umständen in Haft, nachdem ihm jegliche medizinische Hilfe verweigert worden war. Russische Mediziner fürchten nun, dass Alexej Nawalny sein Schicksal teilen könnte. 

Mehr als 500 russische Ärzte haben einen am Sonntag veröffentlichten offenen Brief an die russischen Behörden unterschrieben, in dem sie eine sofortige medizinische Behandlung von Alexej Nawalny fordern. Der inhaftierte Oppositionspolitiker klagt seit mehreren Tagen über starke Rückenschmerzen und einen teilweisen Gefühlsverlust im rechten Bein. 

„Wir fordern, dass die FSIN [die russische Strafvollzugsbehörde], alle zuständigen Abteilungen und die politische Führung unseres Landes sofort in die Situation eingreifen und unverzüglich medizinische Hilfe leisten“, appellieren die Mediziner. Konkret fordern die Ärzte den Zugang des Neurologen Alexej Barinow zu Nawalny und den Einsatz von moderner diagnostischer Technik. Sie erinnern zudem daran, dass der Gefangene nach einem Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok im August noch immer geschwächt sei.

„Eine gute Option wäre aus unserer Sicht nicht nur die Einladung russischer, sondern auch deutscher Spezialisten (von der Berliner Klinik Charité), die bereits Erfahrung mit der Behandlung dieses bestimmten Patienten haben. Insbesondere weil es sich um Komplikationen handeln könnte, die aus der Vergiftung und der unterbrochenen Rehabilitationsphase resultieren“, heißt es in dem Brief.

Nawalny ist derzeit in der…