Nach weiteren Berichten über Nebenwirkungen durch Corona-Impfungen mit dem Präparat des Herstellers AstraZeneca droht die Impfkampagne in Deutschland erneut ins Stocken zu geraten. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) berät derzeit erneut mit seinen Amtskolleginnen und -kollegen in den Bundesländern über den weiteren Einsatz des Mittels.

Später soll es eine weitere Gesprächsrunde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Länderchefinnen und -chefs geben. Anschließend wollen sich Merkel und Spahn eine Pressekonferenz geben. Nach SPIEGEL-Informationen sind für die Runde nur die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten geladen, nicht wie sonst üblich auch die Chefs der Staatskanzleien und weitere Mitarbeiter.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) teilte am Abend mit, dass der AstraZeneca-Wirkstoff vorläufig nur noch für Menschen über 60 Jahre empfohlen wird. Die Empfehlung werde »auf Basis der derzeit verfügbaren Daten zum Auftreten seltener, aber sehr schwerer thromboembolischer Nebenwirkungen« bei jüngeren Geimpften geändert, hieß es. Zur Verabreichung der zweiten Impfstoffdosis für jüngere Menschen, die bereits eine erste Dosis des AstraZeneca-Impfstoffs erhalten haben, will die Stiko bis Ende April eine ergänzende Empfehlung abgeben.

Mehrere Bundesländer, darunter Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Berlin hatten Impfungen mit AstraZeneca für Personen unter 60 Jahren zuvor bereits vorsorglich ausgesetzt. Niedersachsen und Baden-Württemberg wollten dagegen vorerst die Empfehlung der Stiko abwarten.

Hintergrund des teilweisen Impfstopps sind Berichte über teils tödliche Nebenwirkungen des Mittels. In Deutschland sind laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bislang 31 Fälle einer Sinusvenenthrombose nach Impfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca bekannt. In neun Fällen war der Ausgang tödlich, wie das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständige Institut berichtete.