von Niels Kruse

30.03.2021, 13:32 Uhr

Der Streit zwischen H&M und China eskaliert. Mittlerweile werden Läden der Modekette sogar die Mietverträge gekündigt. Der Konflikt ist eine weitere Episode im immer schwieriger werdenden Verhältnis zur selbstbewussten Nation in Asien.

Eigentlich ist Baumwolle ein Stoff, aus dem die Albträume sind. Von afrikanischen Sklaven in den USA einst aufwendig gepflanzt und geerntet, hat sie ab dem 18. Jahrhundert in nur wenigen Jahrzehnten die uralte Kulturpflanze Flachs verdrängt, also das Leinen. Jetzt, 150 Jahre später, verschlingt der Baumwoll-Anbau so viel Wasser, dass Flüsse und Seen austrocknen und die Böden versalzen. Für die Weiterverarbeitung zu Jeans und T-Shirts wird der Rohstoff zwischen Bangladesch, Polen und den Philippinen hin- und her geschifft, die Färbemittel sind giftig, die Näherinnen schlecht bezahlt. Am Ende bezahlen Kunden für einen Kapuzenpulli bei Primark, Kik oder Lidl ein paar Euro und ersetzen ihn nach zwei, drei Mal tragen.

Dass Mode, vor allem die Fast-Fashion, ökologisch ein Desaster ist, ist nicht neu. Schon vor einigen Jahren hatten sich Ketten wie Aldi und Tchibo dazu verpflichtet, nur noch Textilien ohne umwelt- oder gesundheitsschädliche Chemikalien zu verkaufen. Auch Bio-Baumwolle ist bei vielen Produzenten mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme, doch rehabilitiert die Pflanze damit noch lange nicht.

H&Ms Baumwoll-Boykott

Während ihre Herstellung grüner und nachhaltiger wird, erinnern im Westen Chinas die Arbeitsbedingungen an dunkelste Sklavenzeiten im Südosten der USA. Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen beklagen, dass in der Provinz Xinjiang die Volksgruppe der Uiguren in Lagern Zwangsarbeit verrichten muss – etwa auf Baumwollfeldern. Der schwedische Modekonzern H&M boykottiert deshalb die Verwendung des Rohstoffs aus der Region, wogegen sich nun wiederum China wehrt. Der…