Die Tabakmottenschildlaus wird kaum über einen Millimeter groß, aber Landwirte auf der ganzen Welt können es sich nicht leisten, das Tierchen zu übersehen. Denn die wegen ihres Aussehens auch Weiße Fliege genannte Art gehört zu den bedeutendsten Schädling überhaupt.

Mit ihren Mundwerkzeugen saugt sie den Saft aus Pflanzen, in Gewächshäusern stehen Tomaten, Paprika oder Gurken auf ihrem Speiseplan. In tropischen Regionen befällt sie zudem mit Vorliebe Süßkartoffel- oder Maniokpflanzen. Und selbst vor beliebten Blumen wie Begonien, Hibiskus oder dem Weihnachtsstern macht sie nicht Halt. Dazu kommt noch, dass Bemisia tabaci Viren an Pflanzen überträgt, die sie krank machen können.

Die Insekten sind derart anpassungsfähig, dass sie sich fast auf der ganzen Welt ausgebreitet haben. Forscher sind nun teilweise hinter das Erfolgsgeheimnis der Tiere gekommen und haben entdeckt, mit welcher Strategie sie auch wehrhafte Opfer verzehren.

Denn auch Pflanzen entwickeln ihrerseits Strategien, um sich Schädlinge vom Leib zu halten. Dazu gehören beispielsweise Giftstoffe. Ein Team um Youjun Zhang von der Chinesischen Akademie für Agrarwissenschaften in Peking hat nun entdeckt, warum die Tabakmottenschildläuse gegen eine bestimmte Art dieser Abwehrstoffe immun sind: Sie haben das Gen, das in Pflanzen für den Widerstand gegen die eigenen Gifte zuständig ist, von den Pflanzen selbst übernommen.

Gen-Entführung im Pflanzenreich

Wie die Forscher in einer Studie im Fachmagazin »Cell« zeigen konnten, trägt die Weiße Fliege das Gen BtPMaT1, das nicht aus ihrem eigenen, sondern aufgrund seiner Struktur aus dem Erbgut von Pflanzen stammen muss. Die Tiere haben es gewissermaßen »hijackt«, also entführt, wie die Forscher im Titel ihre Studie schreiben. BtPMaT1 ermöglicht es ihnen, sogenannte Phenolglykosiden zu neutralisieren. Das sind Substanzen, die viele Pflanzen zur Abwehr vor Insekten einsetzen und die für viele Arten giftig sind – aber nicht für die…