Nach den vorerst ergebnislosen Verhandlungen für einen flächendeckenden Tarifvertrag in der deutschen Fleischindustrie hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Warnstreiks nach Ostern angekündigt. »Die Arbeitgeberseite hat zum dritten Mal kein ernstzunehmendes Angebot vorgelegt. Die Quittung gibt’s in den nächsten Wochen«, sagte laut einer Mitteilung der stellvertretende NGG-Vorsitzende Freddy Adjan.

Zuvor war am Montagabend die dritte Verhandlungsrunde in Hamburg ohne Ergebnis und ohne einen neuen Verhandlungstermin beendet worden. »Wir werden nun die Beschäftigten in den Betrieben über die Dauer-Blockade der Arbeitgeber informieren und zu Streiks aufrufen«, sagte Adjan. »Die Leute waren schon vor der heutigen Tarifverhandlung extrem sauer – die Stimmung in den Betrieben wird sich jetzt noch weiter aufheizen.«

17 Euro für Facharbeiter pro Stunde?

Die Gewerkschaft war mit einer Forderung nach einem dreistufigen Mindestlohntarifvertrag für die rund 160.000 Beschäftigen der Fleischindustrie in die Gespräche gegangen. Der Mindestlohn soll demnach bei 12,50 Euro starten. Nach einer kurzen Einarbeitungszeit soll er auf 14 Euro pro Stunde steigen, Facharbeiter sollen 17 Euro pro Stunde erhalten. Diesen Vorschlag hatten die Arbeitgeber als »realitätsfern und existenzgefährdend« zurückgewiesen.

Die Arbeitgeber waren bei ihrem Vorschlag der Gewerkschaft in einem Punkt entgegengekommen: Der Mindestlohn soll demnach ab sofort bei 10,50 Euro liegen und zum 1. Dezember 2023 stufenweise auf 12,00 Euro erhöht werden. Mitte März hatten die Arbeitgeber die vierte Stufe noch für den 1. Juli 2024 vorgeschlagen. »Damit würde der tarifliche Mindestlohn innerhalb von 2,5 Jahren um 25 Prozent zum jetzigen Mindestlohn steigen«, heißt es in einer Mitteilung der Arbeitgeber. Der gesetzliche Mindestlohn liegt derzeit bei 9,50 Euro.

Nachdem die Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen ein Schlaglicht auf die Arbeitsbedingungen geworfen hatten, hatte die…