Der Streit der EU-Staaten um die ohnehin knappen Corona-Impfstoffe verschärft sich weiter. Österreich habe gedroht, eine Bestellung von 100 Millionen Dosen Impfstoff von Biontech/Pfizer zu blockieren, wenn es nicht zusätzliche Mengen bekomme, bestätigte ein EU-Diplomat dem SPIEGEL. Zuvor hatte das Nachrichtenportal »Politico« darüber berichtet.

Österreich und fünf weitere Länder beklagen, dass die Impfstoffe unter den 27 EU-Staaten ungerecht verteilt seien. Grundsätzlich läuft die Aufteilung nach Bevölkerungsstärke. Will jedoch ein Land seinen Anteil nicht oder nicht ganz, können andere EU-Staaten die Mengen aufkaufen.

Einige Regierungen setzten besonders auf AstraZeneca und sind nun wegen Lieferproblemen im Hintertreffen. Österreich bestellte weniger von Johnson & Johnson als ihm zugestanden hätte und befürchtet deshalb Lücken.

Bei der nun diskutierten Verteilung der Biontech-Dosen geht es um eine vorgezogene Lieferung von zehn Millionen Dosen, die eigentlich erst in der zweiten Jahreshälfte kommen sollte. Sie stammt aus einem Kontingent von 100 Millionen Dosen, auf die die EU eine Option hat. Über die Verteilung des vorgezogenen Kontingents wird seit Wochen gestritten.

»Drohung wird ins Leere laufen«

Auf Seite der EU zeigt man sich vom österreichischen Vorstoß wenig beeindruckt. »Die österreichische Drohung wird ins Leere laufen. Die EU lässt sich nicht erpressen und wird weiter daran arbeiten, den vom Impfstoffmangel besonders betroffenen Ländern zu helfen«, so der EU-Diplomat.

»Der Versuch, mitten in einer gefährlichen Pandemie und bei steigenden Infektionszahlen mit einer Impfstoffblockade zu drohen, lässt sehr tief blicken. Es ist traurig, aber Wien scheint mittlerweile von allen guten europäischen Geistern verlassen.«

Am Mittwoch wollen die EU-Botschafter erneut nach einer Lösung suchen. Die portugiesische Ratspräsidentschaft bereite einen Vorschlag vor, hieß es. Neben Österreich hoffen Bulgarien, Kroatien, Lettland, Slowenien und…