Normalerweise sind die Corona-Briefings im Weißen Haus eher nüchterne Termine. Regierungsvertreter und Mediziner umreißen den Pressevertretern Fortschritte bei der Impfkampagne, aber auch mögliche Rückschläge mit Blick auf die Infektionen im Land.

Als die Chefin der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) jedoch an diesem Montag an das Mikrofon trat, wurde es persönlich: »Ich lege jetzt mal mein Manuskript weg und schildere Ihnen das Gefühl, das ich derzeit habe: Uns droht Unheil«, sagte Rochelle Walensky. Die 51-Jährige führt die Behörde seit Januar, über den aktuellen Termin berichtete unter anderem der britische »Guardian«.

»Wir haben so viel, auf das wir uns freuen können«, fuhr sie mit Verweis auf die umfangreichen Impfungen im Land fort: »Wir haben so viel Potenzial und Grund zur Hoffnung: Aber jetzt gerade habe ich Angst.« Sie befürchte eine vierte Corona-Welle in den USA.

In absoluten Zahlen ist das Land weltweit am schwersten von der Pandemie betroffen: Die Zahl der Toten steuert auf 550.000 zu, mehr als 30 Millionen Ansteckungen mit Sars-CoV-2 wurden bereits nachgewiesen. Und zuletzt war auch im Sieben-Tages-Durchschnitt der Neuinfektionen wieder ein deutlicher Anstieg erkennbar. Gleiches gilt für die Einweisungen von Covid-Patienten in Krankenhäuser.

Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die Öffnungen in zahlreichen Bundesstaaten erklärte Walensky weiter: »Ich spreche jetzt gerade nicht nur als CDC-Direktorin, sondern als Ehefrau, Mutter und Tochter und möchte sie bitten, noch etwas länger durchzuhalten.« Auch die bisher verabreichten rund 95 Millionen Impfungen seien kein Ersatz für das Tragen von Schutzmasken und die Einhaltung der Social-Distancing-Regeln.

Ebenfalls am Montag war auch Joe Biden im Weißen Haus vor die Kameras getreten. Er kündigte an, das Impftempo noch einmal erhöhen zu wollen. Bis zum 19. April sollen 90 Prozent der Erwachsenen für eine Impfung infrage kommen. In den USA leben etwa 328 Millionen…