Nach diversen Rücktritten stellt Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro sein Kabinett neu auf. In der größten Kabinettsumbildung seit seiner Machtübernahme im Januar 2019 tauschte der Rechtspopulist sechs Minister aus, darunter den Außen- und Verteidigungsminister.

Walter Souza Braga Netto wurde als neuer Verteidigungsminister bestätigt und Carlos Alberto Franco França als neuer Außenminister ernannt, erklärte Bolsonaros Pressebüro am Montag. Sie ersetzen Fernando Azevedo e Silva und Ernesto Araujo.

Araujo war zuletzt in seiner Funktion als Außenminister verstärkt in die Kritik geraten. Ihm wurde vorgeworfen, es sei ihm nicht gelungen, seinem Land zusätzliche Impfstoff-Lieferungen aus China und den USA zu sichern. Der Politiker ist ein enger Verbündeter von Bolsonaro.

Araujo gilt als scharfer Kritiker Chinas und Bewunderer des früheren US-Präsidenten Donald Trump. Bolsonaro hatte erst Mitte März zum wiederholten Male den Gesundheitsminister über Differenzen im Umgang mit dem Virus ausgetauscht. Der Präsident spielt seit Beginn der Pandemie die Gefahren in dem schwer von dem Virus getroffenen Land herunter.

Bolsonaro hatte, wie sein früherer Amtskollege in den USA, die Gefahr durch das Virus lange kleingeredet. Mit Blick auf die eskalierende Corona-Lage in seinem Land allerdings verkündete er vor einer knappen Woche dann doch die Einrichtung eines Krisenkomitees. Tags zuvor hatte Brasilien als zweites Land auf der Welt nach den USA mehr als 3000 Corona-Todesfälle innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Insgesamt liegt die Zahl der Corona-Toten in dem südamerikanischen Land inzwischen bei 300.000.

Die kommende Wahl dürfte spannend werden

In dem Land grassiert eine besonders ansteckende Variante des Coronavirus, die zuerst in Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaats Amazonas, entdeckt worden war. Das Gesundheitssystem ist inzwischen völlig überfordert, in den meisten Bundesstaaten stehen die Intensivstationen vor dem Kollaps. In der Hauptstadt Brasilia warten…