Nach einer Mitteilung des Menschenrechtszentrums Wesna verhängte ein Gericht in der Stadt Grodno zwischen zweieinhalb und fünfeinhalb Jahren Lagerhaft. Die Männer bestritten demnach, Polizisten bei den Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko im September verletzt zu haben. Sie wollen Berufung gegen das Urteil einlegen.

Polizeigewalt wird nicht verfolgt

Seit der Wahl Lukaschenkos im August versucht die Regierung mit aller Härte den Widerstand zu brechen und geht brutal gegen die Demonstranten in Belarus vor. Der Staatschef, der als letzter Diktator Europas gilt, hatte sich nach 26 Jahren an der Macht erneut zum Sieger erklären lassen. Die EU erkennt ihn jedoch nicht als Präsidenten an und hat gegen den Machtapparat in Minsk Sanktionen verhängt. Lukaschenko stützt sich auf Russland als Verbündeten.

Die Gegner Lukaschenkos beklagen immer wieder, das schwere Polizeigewalt bei Demonstrationen und bei Einsätzen gegen Aktivisten – bis hin zu Tötungen – nicht verfolgt würden.

Über den Winter hatte es keine größeren Protestaktionen mehr gegeben – auch aus Angst vor Polizeigewalt. Doch vor einer Woche gingen zum sogenannten Tag der Freiheit erstmals wieder Hunderte Menschen gegen Lukaschenko auf die Straße. In Minsk hatte die Opposition für den Nachmittag zu einer Demonstration im Zentrum der Hauptstadt aufgerufen.

Tichanowskaja fordert Verhandlungen

Belarussische Sicherheitskräfte zerschlugen die Proteste. Die Behörden sprachen von mehr als 200 Festnahmen, sogar gegen Autofahrer wurde ermittelt, die aus Solidarität mit den Demonstranten auf der Straße gehupt hatten.