Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) attestiert seiner Nachfolgerin Angela Merkel (CDU) indirekt Durchsetzungsschwäche bei ihrer Pandemiepolitik. »Vielleicht wäre es ganz gut, manchmal zu sagen, wo es langgehen soll«, sagte Schröder in seinem Podcast »Die Agenda« mit Blick auf die Kanzlerin. »Man muss ja nicht Basta sagen. Aber man muss auch aufpassen, dass in der jetzigen Situation politische Führung nicht zerrinnt. Die Menschen erwarten Führungsfähigkeit.«

Weil sie die Beschlüsse der »Osterruhe« zurücknehmen musste, hatte die Kanzlerin die Bevölkerung öffentlich um Verzeihung gebeten. In der Talkshow »Anne Will« hatte sie am Sonntagabend den Druck auf die Länder erhöht: »Einige sind sich der Ernsthaftigkeit nicht bewusst«, sagte sie und deutete ein mögliches gesetzgeberisches Eingreifen des Bundes an. Zunächst wolle sie sich jedoch einige Tage anschauen, ob die Länder nun doch angemessen auf die Pandemielage reagierten.

Er wolle fair bleiben, sagte Schröder zu Merkels Vorgehen: Eine Große Koalition sei anders zu führen, als wenn es einen wesentlich stärkeren und einen wesentlich schwächeren Koalitionspartner gebe, wie es bei seiner rot-grünen Koalition der Fall gewesen sei.

Dennoch: »Alles nur über Dialog zu lösen, wird nicht funktionieren. Gelegentlich muss ein Regierungschef versuchen, von vorne zu führen, und nicht erst gucken, wie die Dinge sich gestalten, um sich dann an die Spitze zu setzen.«

Etwas später im Podcast relativierte Schröder dann seine Aussagen. Es gebe da nichts zu kritisieren, schließlich sei es auch eine Typfrage, wie eine Bundeskanzlerin oder ein Bundeskanzler mit bestimmten Konflikten umgehe.

An der verpatzten »Osterruhe« seien mehrere beteiligt gewesen, »die sich hinter Madame verborgen haben«, sagte Schröder und spricht etwa Kanzleramtschef Helge Braun an. »Die Vorbereitung vom Kanzleramt war untergründig«, so der Ex-Kanzler.

Schröder selbst hatte 2001, um sich bei einer Sachfrage…