Auf den zentralen Klimaschutzmechanismus der Europäischen Union wirkt gerade eine Kraft ein, die man als »House of Cards«-Effekt bezeichnen könnte. Wie in der gleichnamigen Netflix-Serie gibt es auch beim sogenannten Emissionshandel gerade ein paar Egoisten, die beim Durchsetzen ihrer Interessen zufällig auch etwas Hilfreiches für die Gesellschaft tun.

In »House of Cards« setzt Serienbösewicht Frank Underwood, quasi als Abfallprodukt seiner manipulativen Machtpolitik, ein erfolgreiches Programm zur Reduktion der Arbeitslosigkeit um. Beim Handel mit CO₂-Zertifikaten greift gerade dasselbe Prinzip: Dort wirken ausgerechnet profitorientierte Spekulanten darauf ein, dass Europas Wirtschaft schneller ergrünt.

Der vorläufige Höhepunkt des »House of Cards«-Effekts war vergangenen Monat zu besichtigen. Am 2. Februar erklärte Andurand Capital Management, einer der momentan erfolgreichsten Hedgefonds der Welt, man rechne bis Ende des Jahres mit einem Preis von bis zu 100 Euro für ein Zertifikat, das den Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid kompensiert. Kurz darauf schnellte der Preis von gut 33 Euro auf rund 40 Euro in die Höhe – und blieb seitdem mehr oder weniger auf diesem Niveau.

Tobias Federico, Geschäftsführer des Analysehauses Energy Brainpool, führt den Preisboom auf mehrere, sich gegenseitig verstärkende Faktoren zurück. Durch die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken sei gerade viel Kapital im Umlauf, sagt er. Lukrative Anlageoptionen seien gleichzeitig rar. »Entsprechend suchen Investoren neue Märkte.«

Der Emissionshandel habe das Zeug, ein solcher Zukunftsmarkt zu werden, sagt Federico. Denn die EU habe Ende 2020 ihre Klimaziele verschärft – was die Nachfrage nach CO₂-Zertifikaten erhöht. Gleichzeitig gibt es einen automatischen Mechanismus, der das Angebot an Zertifikaten Jahr für Jahr verknappt. Das soll Unternehmen mittelfristig dazu bringen, ihren CO₂-Ausstoß immer stärker herunterzufahren.

»Das Zusammenspiel aus sinkendem Angebot und…