Warum der unscheinbare Bachlauf in der Umgebung der US-Stadt Kansas City »Negro Creek« heißt, kann kein Experte mit Sicherheit sagen. Aber der Name weckt Befindlichkeiten und Emotionen. Denn derzeit wird in den USA und weltweit leidenschaftlich diskutiert über Alltagsrassismus und das Erbe des Kolonialismus.

Wie unter einem Brennglas lässt sich diese Debatte derzeit im US-Bundesstaat Kansas beobachten. Denn die gängigste Erklärung für die Herkunft des Namens »Negro Creek« führt weit zurück in die Mitte des 19. Jahrhunderts, in die Zeit der Sklaverei. Demnach leitet sich der Name des Bachlaufs von einem aus Missouri entflohenen Sklaven ab, der sich in der Nähe des Baches umbrachte. Er wollte offenbar lieber sterben, als erneut gefangen und versklavt zu werden.

Nun untersucht nach einem Bericht der Regionalzeitung »Kansas City Star« ein Komitee aus Historikern und Aktivisten die Geschichte des Bachs im Johnson County. Ziel der Aktivisten ist es, den »Negro Creek« umzubenennen.

»Wie wir Orte benennen und wie wir uns im öffentlichen Raum sehen, spricht tatsächlich Bände und verrät, was wir wertschätzen und was uns wichtig ist«, sagte Kenya Cox, Geschäftsführerin der »Kansas African American Affairs Commission«, einer regionalen Beratungsgruppe. »Es ist Zeit für uns, diese Diskussion zu führen. Wir müssen bereit sein, uns ins Unbehagen zu wagen und die harten Dinge zu tun.« Dies sei heilsam und besser für die jetzige und die kommende Generation.

Im Sommer 2020 lenkten Aktivisten erstmals größere Aufmerksamkeit auf den Bach, nachdem sie eine Online-Petition zur Umbenennung vorangetrieben hatten. Diane Mutti Burke ist Vorsitzende der Geschichtsabteilung der University of Missouri-Kansas City. Sie und die Doktorandin Deborah Keating haben einen Untersuchungsbericht erstellt und sind überzeugt, dass die Geschichte des schwarzen Sklaven, der sich selbst tötete, der wahrscheinlichste Ursprung des Namens sei. Solche geografischen Merkmale hätten oft…