In den vergangenen 30 Jahren sind rund 1,23 Millionen Menschen mehr von Ost- nach Westdeutschland gezogen als umgekehrt. 3,86 Millionen Menschen zogen seit 1990 aus den neuen Ländern nach Westdeutschland.

Die größte Gruppe bildeten mit 1,78 Millionen die 18- bis 29-jährigen. Von West nach Ost zogen im gleichen Zeitraum 2,63 Millionen Menschen. Die Statistik berücksichtigt die Werte von 1991 bis 2019. Das geht aus einer vorliegenden Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die meisten Menschen wanderten in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung in die alten Bundesländer ab. 1991 gab es einen Wanderungsverlust von rund 165 000 für die fünf neuen Länder. Im Jahr darauf zogen gut 90 000 mehr Menschen von Ost nach West als umgekehrt. 2001 waren es unterm Strich knapp 98 000 Menschen, die der Osten einbüßte.

2014 dann drehte sich die Entwicklung erstmals um: In Sachsen, wo die Wanderungsverluste teils besonders groß gewesen waren, kamen unterm Strich rund 1800 Menschen dazu. 2019 gab es ein Plus von rund 1000 für die neuen Länder: Mehr Zuwanderung in Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg glich überwiegende Abwanderung aus Thüringen und Sachsen-Anhalt mehr als aus.

Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann, die die Zahlen erfragt hatte, machte ungleiche Lebensverhältnisse für die Abwanderung aus dem Osten verantwortlich. «Viele Ostdeutsche haben ihrer Heimat den Rücken gekehrt, um Arbeitslosigkeit und niedrigen Löhnen zu entrinnen», sagte sie.

Mit der Entvölkerung von Regionen gehe ein Rückbau von sozialer und kultureller Infrastruktur in vielen Städten und Gemeinden einher. Abwanderung werde so weiter befördert.