Der vergangene Samstag ist ein festlicher Tag für Myanmars Putschistenführer Min Aung Hlaing. Am »Tag der Streitkräfte« feiert sich das Militär jedes Jahr selbst, auf einer Parade in der Hauptstadt Naypyidaw präsentiert es seine Panzer und Raketen, Soldaten marschieren in Formation. Vertreter aus Russland, China, Indien, Pakistan, Bangladesch, Thailand, Vietnam und Laos sind zugegen und verleihen dem Putschregime damit Legitimität.

Bevor er abends in weißer Galauniform zum Bankett geht, hält Min Aung Hlaing eine Rede – und bringt dabei ausreichend Chuzpe für folgenden Satz auf: »Das Militär reicht der ganzen Nation die Hand, um die Demokratie zu schützen.«

Tags darauf werden in den sozialen Medien Fotos verbreitet, die einen schwelenden Haufen verbrannter Autoreifen zeigen. Darin ist etwas zu erkennen, das nach einem Oberarmknochen und einem menschlichen Schädel aussieht. Angeblich die Überreste eines vierfachen Familienvaters aus Mandalay, der so unvorsichtig war, vor die Tür zu treten, als in der Nacht Soldaten in seinen Stadtteil Min Tal Ei Kin einrückten. Sie sollen dem Mann in die Hüfte geschossen und ihn anschließend lebendig verbrannt haben.

Der SPIEGEL konnte den Fall nicht unabhängig verifizieren, doch im Hintergrund sind Männer im traditionellen Wickelrock Longyi zu sehen, was nahelegt, dass die Fotos tatsächlich aus Myanmar stammen.

Mindestens 114 Tote im ganzen Land – an einem Tag

Während die Generäle in der abgeschirmten Hauptstadt ein Bekenntnis zur Demokratie heuchelten, entfesselten ihre Männer im ganzen Land eine Gewaltorgie gegen jene, welche tatsächlich die Souveränität des Volkes zu verteidigen versuchen.

27 Menschen erschossen sie allein in der größten Stadt Yangon. Sie töteten ihre Mitbürger in Kawthaung an der südlichen Grenze zu Thailand, in Pathein im Irrawaddy-Delta, im Bergbauort Hpakant im hohen Norden. Tödliche Kugeln trafen eine 13-Jährige im Haus ihrer Familie in Meiktila und einen Fünfjährigen in Mandalay….