Ein stilles Gebetsritual für Wohlstand und Glück. Shalu Bant bittet im Osten Delhis um göttlichen Beistand. Seit Ausbruch des Coronavirus in Indien vor etwa einem Jahr hat sich ihre Lebenssituation extrem verschlechtert.

Shalu Bant, Kosmetikerin

»Meine größte Sorge war, wie ich die Haushaltsausgaben bezahlen soll, denn die Miete für das Haus und die Schulgebühren für meinen Sohn mussten bezahlt werden.«

Shalu Bant ist Kosmetikerin. In ihrer Wohnung setzt sie einer ihrer derzeit wenigen Kundinnen ein indisches Party-Make-up auf. Vor der Pandemie führte sie einen Schönheitssalon mit vier Angestellten und konnte so nach dem Tod ihres Mannes für sich und ihren Sohn sorgen – wegen der Pandemie musste sie den Salon schließen und die Mitarbeiterinnen entlassen.

Shalu Bant, Kosmetikerin

»Mein Vermieter hat die Miete reduziert, weil ich kein Einkommen hatte, wie sollte ich sie auch zahlen? Ich hatte Angst davor, Corona zu bekommen. Dann hätte ich einen Monat nicht arbeiten können. Wie hätte ich dann mein Leben bestreiten sollen?«

Bant bietet ihren Kundinnen nun Hausbesuche an – gebucht wird über das Smartphone. Doch die Einnahmen sind deutlich niedriger als vor der Pandemie, ihr Erspartes ist fast aufgebraucht. Ähnlich umfangreiche Coronahilfen vom Staat wie etwa in Deutschland gibt es nicht.

Die alleinerziehende Mutter gehört zum unteren Ende der indischen Mittelschicht, die nach Studien sowie Schätzungen etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung von 1,38 Milliarden Menschen ausmacht. Fakt ist, dass sich die Mittelschicht in Indien seit Jahrzehnten vergrößert und ein Indikator für die Wirtschaftskraft des Landes ist, das bis vor Kurzem als eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt galt.

Allein zwischen 2005 und 2016 entkamen in Indien laut Uno über 270 Millionen Menschen starker Armut. Und immer mehr Menschen können sich beispielsweise bessere Bildung für die Kinder leisten. Verglichen mit der deutschen Mittelschicht ist der Lebensstandard…