Baumwolle aus Xinjiang
H&M, Nike und Co.: Wie China westliche Modemarken systematisch vom Markt verdrängt

H&M-Produkte sollen innerhalb eines Tages von großen Online-Händlern wie „Alibaba“ gelöscht worden sein

© Kevin Frayer / Getty Images

von Yannik Schüller

27.03.2021, 09:04 Uhr

Weil sich Modemarken wie H&M und Nike besorgt über Berichte von Zwangsarbeit auf Chinas Baumwollfeldern zeigten, fährt Peking nun eine Boykott-Kampagne gegen die Unternehmen.

Es ist ein Drahtseilakt zwischen Ethik und Umsatz: Westliche Modemarken wie H&M und Nike zeigten sich bereits vor Monaten besorgt wegen Berichten über Zwangsarbeit auf chinesischen Baumwollfeldern. Mehrere Staaten hatten vergangene Woche neue Sanktionen gegenüber Peking verhängt. Jetzt holt China zum Gegenschlag aus: Staatsmedien und Internetnutzer haben zum Boykott zahlreicher Textilunternehmen aufgerufen – mit sichtbarem Erfolg.

H&M aus der digitalen Welt Chinas verschwunden

Modefirmen wie H&M oder Nike hatten sich besorgt über Berichte gezeigt, wonach die die Kommunistische Partei Angehörige der muslimischen Minderheit der Uiguren in „Umerziehungs“-Lager steckt. In diesen Lagern gebe es Folter, sexuellen Missbrauch und Zwangsarbeit. Viele Uiguren leben in der Region Xinjiang, im Nordwesten des Landes. In dem Gebiet werde ein Fünftel der weltweiten Baumwollproduktion betrieben. Im Dezember veröffentlichte die „BBC“ eine Untersuchung, wonach Hunderttausende Angehöriger von Minderheiten – auch Uiguren – zur Handarbeit auf den Feldern gezwungen werden. Mit ihren Reaktionen darauf zogen die Modefirmen den Zorn Pekings auf sich – mit heftigen Konsequenzen.

Am Mittwoch sollen Staatsmedien, Internetnutzer und Prominente zum Boykott zahlreicher Marken aufgerufen haben, die der Better Cotton Initiative (BCI) angehören – einem gemeinnützigen Verbund, der sich für eine nachhaltige…