Es war Vizepräsidentin Samia Suluhu Hassan, die vergangenen Mittwoch der Weltöffentlichkeit die Nachricht vom Tod des Präsidenten John Magufuli überbrachte. Zwei Tage später wurde die 61-Jährige als erste Präsidentin ihres Landes vereidigt.

Die auch in diplomatischen Kreisen in der Hauptstadt recht unbekannte Frau rückte damit plötzlich ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Seitdem stellt sich die Frage: Wer ist diese Frau, und wofür steht sie?

Hassan ist neben der äthiopischen Präsidentin Sahle-Work Zewde, deren Rolle hauptsächlich zeremoniell ist, das einzige derzeit amtierende weibliche Staatsoberhaupt Afrikas. Sie reiht sich damit in eine nur recht kurze Liste von Frauen auf dem Kontinent ein, die ihre Länder geführt haben.

Charakterlich das Gegenteil von Magufuli

Erstmals im Jahr 2000 in ein öffentliches Amt gewählt, erlangte sie 2014 nationale Bekanntheit als sie stellvertretende Vorsitzende der verfassungsgebenden Versammlung wurde. Die Wirtschaftswissenschaftlerin hat Universitätsabschlüsse aus Tansania, Großbritannien und den USA. Immer wieder hat sie sich für die Rechte und Chancen tansanischer Frauen starkgemacht.

Hassan gilt als eher introvertiert und nachdenklich – Charakterzüge, die das Gegenteil ihres eher unkonventionellen Vorgängers Magufuli darstellen, der nicht umsonst den Spitznamen »der Bulldozer« trug.

Magufuli starb am 17. März – offiziell ist die Todesursache Herzversagen. Gerüchten zufolge soll er jedoch den Folgen einer Covid-Infektion erlegen sein, einer Erkrankung, deren Gefahren er seit fast einem Jahr heruntergespielt hatte. Magufuli stieg zu einem der prominentesten Coronaleugner auf. Doch nicht nur damit hat er Tansania geschadet.

Magufuli verwandelte die vergleichsweise stabile Demokratie Tansanias in eine Autokratie. Oppositionelle, Journalisten und Kritiker wurden unter seiner Herrschaft mundtot gemacht, verhaftet und wahrscheinlich auch umgebracht. Zitto Kabwe, Chef der Oppositionspartei ACT, berichtete dem SPIEGEL im…