Nach seiner gewaltsamen Machtübernahme im Februar wollte Myanmars Militär mit einer großen Parade am Samstag seine Stärke demonstrieren – und hat dabei Proteste gegen die Armee gewaltsam beendet. Nach Angaben von Augenzeugen und Nachrichtenagenturen starben insgesamt 16 Menschen, neun von ihnen allein in Yangon.

»Heute ist ein Tag der Schande für die bewaffneten Kräfte«, sagte der Sprecher der Oppositionsbewegung CRPH bei einem Online-Forum. Die Militärregierung zelebriere ihre Stärke »kurz nachdem sie 300 unschuldige Zivilisten getötet haben.«

Nach Angaben der CRPH sind seit dem Putsch der Militärjunta im Februar insgesamt 328 Zivilisten gestorben. Andere Nichtregierungsorganisationen sprechen von insgesamt 280 Toten.

Am »Tag der Armee« waren am Samstag Soldaten mit Fackeln und Flaggen, flankiert von Militärfahrzeugen durch die Hauptstadt Naypyidaw marschiert. Der Chef der Militärjunta, General Min Aung Hlaing, verteidigte erneut den Militärputsch vom 1. Februar und sicherte zu, nach Neuwahlen die Macht an eine neue Regierung abzugeben.

Schon am Freitagabend hatte das Staatsfernsehen die Protestierenden gewarnt: Man sollte von den tragischen, hässlichen Todesfällen der letzten Wochen lernen »dass man Gefahr läuft, in den Kopf oder den Rücken geschossen zu werden.«

Seit dem Militärputsch sieht sich die Junta massiven Protesten gegenüber, gegen die sie äußerst brutal vorgeht. Mehr als 2600 Demonstranten wurden seit Beginn der Proteste festgenommen. Die Demonstranten fordern unter anderem die Freilassung der abgesetzten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi und eine Rückkehr zum demokratischen Prozess.

Mit dem »Tag der Armee« erinnert Myanmar eigentlich an den Beginn des Widerstands gegen die japanische Besatzung. Normalerweise nehmen an der Militärparade aus diesem Anlass auch ausländische Regierungsvertreter teil.

Da die Militärjunta aber von vielen Staaten nicht anerkannt wird, nahmen am Samstag nur acht ausländische Delegationen…