Am 19. Januar 2007 wurde der armenisch-türkische Journalist Hrant Dink in Istanbul auf offener Straße erschossen. Hinter der Tat steckten türkische Nationalisten – drei von ihnen wurden nun von einem Istanbuler Gericht zu langen Haftstrafen verurteilt.

Die Angeklagten seien wegen vorsätzlichen Mordes zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Weitere Haftstrafen wurden wegen Verstoßes gegen die Verfassung, Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation, fahrlässiger Tötung oder Dokumentenfälschung verhängt. Anwälte kritisierten das Verfahren dennoch als unzureichend.

Im Visier türkischer Nationalisten

Dink war damals vor dem Redaktionsgebäude der Wochenzeitung »Agos« in Istanbul getötet worden. Als Chefredakteur des Blattes hatte er sich für die Aussöhnung von Türken und Armeniern starkgemacht. Er hatte die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet – für viele in der Türkei ein Tabubruch. So geriet er ins Visier türkischer Nationalisten.

Nach dem Urteilsspruch kritisierten Anwälte und Freunde Dinks, der Prozess habe die Hintergründe nicht aufklären können. Erol Önderoğlu von der Organisation Reporter ohne Grenzen sagte, es hätten mindestens noch 20 weitere Staatsbeamte in diesem Verfahren angeklagt werden sollen.

Der Attentäter selbst war in einem vorherigen Prozess zu knapp 23 Jahren Gefängnis verurteilt worden und ist noch in Haft. Auch mehrere Hinterleute wurden bereits verurteilt. Da die Hintergründe der Tat aber noch nicht vollständig aufgeklärt waren, beschäftigt der Fall weiterhin die Gerichte.

Im aktuellen Prozess waren 76 Menschen angeklagt. Davon wurden zwei freigesprochen, die Anklagen gegen zwei weitere wurden wegen Verjährung fallen gelassen. Unter den Angeklagten war auch der in den USA lebende islamische Prediger Fethullah Gülen, den die türkische Regierung für den Putschversuch von 2016 verantwortlich macht. Gegen Gülen gibt es aber…