Mit ihrem Interview hatte Agnès Callamard für einige Aufregung gesorgt. Immerhin sagte die scheidende Uno-Sonderberichterstatterin für außergerichtliche, standrechtliche oder willkürliche Hinrichtungen dem britischen »Guardian« in dieser Woche, dass ein hoher Vertreter des saudi-arabischen Regimes Todesdrohungen gegen sie ausgesprochen haben soll. Diese sollen mit ihren Ermittlungen zum ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi in Verbindung gestanden haben. Nun hat sich die saudi-arabische Seite geäußert.

Am Donnerstag veröffentlichte Awwad al-Awwad eine Serie von Tweets zu den Anschuldigungen. Darin heißt es unter anderem: »Auch wenn ich mich an die konkrete Unterhaltung nicht mehr erinnern kann, würde ich niemals einer Uno-Person Schaden wünschen. Oder sonst jemandem.« Den Vorwurf der Todesdrohung wies er »im schärfsten Ton« zurück – und unterstellte, die Vorwürfe seien konstruiert. Über diese Aussagen berichtet unter anderem der »Guardian«.

Einen besonderen Beigeschmack bekommt die Drohung, die von zahlreichen Uno-Mitarbeitern bei einem Treffen in Genf im Januar 2020 gehört wurde, mit Blick auf die Job-Beschreibung von Awwad al-Awwad: Er ist Chef der saudi-arabischen Menschenrechtskommission.

Ein Uno-Sprecher hatte am Mittwoch die Vorwürfe in dem »Guardian«-Artikel als »korrekt« bezeichnet. Sie seien nach dem brisanten Treffen an hohe Stellen in den Vereinten Nationen und an die zuständigen Behörden weitergeleitet worden.

Ermittlungen haben im Königshaus für Unmut gesorgt

In dem Interview hatte Callamard erklärt, dass ein hoher Vertreter des saudi-arabischen Regimes in einem Treffen mit anderen Uno-Vertretern zweimal Drohungen gegen sie ausgesprochen habe. Es würde sich »um sie gekümmert«, so der Saudi-Araber demnach, sollten die Vereinten Nationen Callamard nicht zurückpfeifen. Dies war von den Uno-Leuten als Todesdrohung verstanden worden.

Als Uno-Sonderberichterstatterin für außergerichtliche, standrechtliche oder willkürliche…